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Impressionen zum Vortragsabend:

Zum Thema „Die Geburt als tödliche Gefahr In Afrika“ wurde am 4. April von der Ärztekammer und Dr. Martin Salzer von „doctors for disabled“ zu vier spannenden Vorträgen eingeladen. Zu Beginn berichtet der deutsche Gynäkologe Dr. Jürgen Wacker über Prävention und Behandlung von Geburtsverletzungen in Afrika, speziell in Burkina Faso, wo er selbst viele Jahre tätig war und mithalf eine Geburtsklinik aufzubauen. Dort arbeitete das Ärzteteam eng mit den Dorfhebammen zusammen, die für die Frauen oft die einzige medizinische Hilfe darstellen. Im Gegensatz zu Europa, wo die Kaiserschnittrate im Moment viel zu hoch liegt, wird diese Methode in Afrika viel zu selten angewandt, ganz einfach, weil die Möglichkeit zu diesem wichtigen Eingriff bei schweren Geburtskomplikationen meistens völlig fehlt. Frau Dr. Edit Schlaffer von Frauen ohne Grenzen weist in ihrem Vortrag darauf hin, dass die Todesursache weltweit für junge Frauen zwischen 15 und 18 Jahren von Komplikationen rund um die Geburt herrührt. Aus diesem Grund – so betont sie – sei die sexuelle Gesundheit junger Menschen so wichtig für ihr Empowerment. Unbedingt müsse allerdings Frauen – und Männerempowerment parallel forciert werden, nur so könne eine gesunde Entwicklung beider Geschlechter vonstatten gehen. Mit dem ebenso beeindruckenden wie simplen Kurzfilm „ the girl effect“ illustriert sie die Brisanz dieses Themas. Unbedingt ansehen: www.girleffect.org/video und weiterempfehlen! Die Gynäkologin Umyma El-Jelede spricht über das schwer wiegende Thema der Genitalverstümmelung in Afrika, die immer noch sehr weit verbreitet ist, besonders in ihrem Heimatland Sudan seien praktisch alle jungen Mädchen beschnitten. Weltweit – so schätzt man – werden jährlich drei Millionen Mädchen verstümmelt, mit verheerenden Folgen. Jedoch: der Zusammenhang zwischen FGM und Müttersterblichkeit, der zweifellos gegeben ist, wird praktisch nicht thematisiert. Selbst in Österreich leben 6000-8000 beschnittene Frauen, denen allerdings zumindest medizinische Hilfe angeboten werden kann. Dr. Martin Salzer schließlich weist uns noch darauf hin, dass in Afrika alle zwei Wochen eine Bevölkerungszunahme von einer Million Menschen! erfolgt. In vielen Ländern Afrikas sowie in Afghanistan werden pro Frau mehr als 5 Kinder geboren, viele davon sterben vor ihrem 5. Lebensjahr und das meist völlig sinnlos, einfach weil es am allernötigsten fehlt. Darum pocht Dr. Salzer vehement auf dem Ausbau von Primary Care, einem sozial-medizinischen Netzwerk, das Grundbildung und Grundversorgung ansetzend in kleinen Dorfstrukturen vorsieht und so – wie das Beispiel Iran zeigt – relativ rasch Geburtenkontrolle und Rückgang von Mütter – und Kindersterblichkeit bewirkt. Auch wenn wir manche der Fakten schon zuvor gehört hatten, war es doch aufrüttelnd, sie von den Experten so präzise und geballt aufs Neue präsentiert zu bekommen. Und - auch wenn wir hier in Europa das äußerst ungern so sehen wollen – wurde deutlich, das Elend in Afrika hat ganz viel mit uns zu tun, wir alle sind aufgerufen, gegen das Ungleichgewicht, das Arm und Reich, Mächtig und Ohnmächtig voneinander trennt, anzugehen.
DI Sabine Kriechbaum

Die angeregte Diskussion wurde beim afrikanischen Buffet - gesponsert von Prof. Dr. Heinrich Stemberger - fortgesetzt.