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10. - 15. Dezember 2007

 

Teilnehmer DfD: Martin Salzer
SUMERO-Team (DfD- BiH):
Haris Haveric, Morgijana Karic, Esma, Arnela, Anela

Die intensive Arbeit hatte mehrere Schwerpunkte: Politische Aktivitäten, Projektarbeit, Zusammenarbeit mit der Orthopädischen Klinik und die Besprechung der weiteren Arbeit mit SUMERO.

 


1)Politische Aktivitäten
Diese sind geteilt in das Lobbying für ein gesamtstaatliches Sozial- und  Gesundheitsministerium und in die Einführung der (österreichischen) Pflegestufen bei schwerstbehinderten Menschen.

1.1. Gesamtstaatliches Gesundheits- und Sozialministerium:
Diese Aktivität ist zurzeit schwierig zu realisieren, durch die Veränderung im Kosovo: Die Serben in der Republika Srpska (RS) drohen mit einer ähnlichen Abspaltung der RS und sind derzeit wenig kooperativ.
Gespräche haben stattgefunden mit dem Staatspräsidenten Haris Silajdzic .Dieser ist ein Befürworter der Institutionen auf Staatsebene und damit auch des Gesundheits- und Sozialministeriums. Er wird dieses Anliegen im Auge behalten und mit seinen Ministerkollegen diskutieren. Er bestätigt die Schwierigkeit auf politischer Ebene im Moment
Gespräche mit Politikern der RS waren diesmal nicht möglich.

1.2. Pflegestufen bei Schwerstbehinderten :
Hier erfolgt ein Telefonat von Haris mit dem Unterminister der RS, der die Vorarbeiten auf diesem Gebiet bestätigt. Es wird ein Gesetz für die Erhöhung der Hilfe für Schwerstbehinderte diskutiert. Als Schwerstbehinderte haben wir die Pflegestufe 5, 6 und 7 vorgeschlagen, dies wurde von Seiten der RS auch akzeptiert..
Ein Kontakt mit dem Minister für „Soziale-Angelegenheit und Arbeit“ der Föderation  Dr. P. Jelecevic ergab große Aufgeschlossenheit in der Föderation eine zusätzliche Hilfe für Schwerstbehinderte einzuführen. Es wird diskutiert. Menschen mit Pflegestufe 6 und 7 monatlich 400€ zu unterstützen.
Bei einem Interview mit der größten Tageszeitung AVAZ berichtet der Reporter über die großen Schwierigkeiten zwischen den Ethnien. Er ist skeptisch dass in den nächsten Jahren staatliche Einrichtungen, besonders auf dem Gesundheits- und Sozialgebiet geschaffen werden. Er meint, dass die lokalen Behörden zur Zeit viel Macht haben, die sie nicht aufgeben wollen.

Im Team wurde diskutiert, Behinderte mit Quadruplegie schrittweise in FBiH und RS zu erfassen. Wir werden uns überlegen eine spezielle Unterstützung dieser Behinderten mit der Pflegestufe 6 zu übernehmen.

Bei einer langen Diskussion mit Botschafter Almhofer werden die verschiedenen politischen Probleme angesprochen. Er ist primär nicht überzeugt von der Notwendigkeit eines gesamtstaatlichen Gesundheits- und Sozialministeriums, lässt sich aber durch unsere Argumente überzeugen. Er stellt ein Telefonat mit dem neuen Sozialattache her, mit dem ich ein Treffen nächste Woche in Wien ausmache. Am Telefon ist Oliver Himmer voll auf unserer Linie, der Behindertenproblematik in Bosnien mehr Gewicht auch in Österreich zu geben. Er stellt einen Besuch bei Minister Buchinger in Aussicht

2) Projektarbeit:
Der Einsatz der Persönlichen Assistenten (PA) hat sich sehr bewährt. Es sind 2 Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt worden und darnach mehr PA eingesetzt. Bei einem persönlichen Kontakt bei Amela hat sie die enorme Bedeutung der PA für die Verbesserung ihrer Lebensqualität unterstrichen.
Kontakt mit der Ergotherapeutin Samela und einer weiteren Ergotherapeutin aus Australien- Lisa: Beide Damen bestätigen das Fehlen von Ergotherapeuten in Bosnien und die großen Defizite durch dieses Faktum. Erste Analysen der Klienten haben durch Samela, Dr. Mufic und Morgijana stattgefunden, wobei die Wichtigkeit der gemeinsamen Analyse festgestellt wird. Es wird geplant Lisa besonders im Raum Sarajevo einzusetzen und Samela vorwiegend im Bereich Gorazde, Mostar und Tuzla.
Dr. Mufic ist weiter bereit mitzuarbeiten. Sein Zugang ist sehr pragmatisch. Er wird schrittweise Kontakte zu anderen Ärzten aufnehmen um die Pflegestufen bekannt zu machen.
Kontakt mit Denis und der Geschäftsführerin von Otto Bock- Sarajevo: Die Versorgung von 5 Klienten ist mit grossem Erfolg beendet. Es wird eine Aufschlüsselung der möglichen Versorgung der weiteren 9 Klienten, die im Frühjahr von Ettenauer gesehen wurden, in Aussicht gestellt. Die Abrechnung über Otto Bock - Wien, läuft etwas zögerlich, wird demnächst abgeschlossen. Die Unterstützung von Otto Bock -Sarajewo durch Dr. Husic von Otto Bock- Adria ist nicht sehr effektiv. Eine intensive Weiterverfolgung der orthopädischen Versorgung der Klienten mit orthopädischen Behelfen wird ohne „Sonderunterstützung schwierig sein.
Die Pläne zur Barrierenbeseitigung bei Dzemaludin und Almir laufen sehr schleppend. Es wurde mit Haris über Vereinfachung der Baumaßnahmen diskutiert. Anela wird sich intensiv mit diesen Problemen beschäftigen. Esma hat mit ihren Freunden eine Adaptierung beim dreifach-amputierten Mirsad durchgeführt, die wir realisieren wollen. Verantwortlich für den Kontakt mit
Dr Ospelt ist Haris.
Kontakt mit Markus, dem Geschäftsmann bezüglich Computer. Er hat 6 Computer organisiert, nach Bosnien gebracht und nach Sumero geliefert Die Zusammenarbeit soll intensiviert werden. Demnächst erfolgt die Kontrolle der Computer und die Auslieferung an die Klienten.
Bei einer Besprechung mit Zula und Mirsava werden „kleinere Probleme“ diskutiert. Die Beschäftigungstherapie in Gorazde hat keine finanzielle Bedeckung mehr. Über von behinderten Kindern erzeugten Puzzles wird versucht eine Lösung zu finden. Eine Mitarbeiterin von Zula soll eventuell als PA eingesetzt werden. Ebenso sind bei einem Quadruplegiker in .Visoko Überlegungen angestellt worden ihm einen PA zu vermitteln.

3) Orthopädische Klinik Kosewo:
Treffen mit Semin und Ismet. Semin hat die sozialen Huftoperationen exakt nachuntersucht. Von Ismet wurde ein Sponsor gefunden, sodass einzelne Operationen wieder stattfinden. Bei einem Klinikbesuch wurde der Mangel an Management wieder festgestellt. Eine ganz geringe Verbesserung dürfte stattgefunden haben. Bezüglich einer Zusammenarbeit ist vorgesehen bei einem Mädchen aus Srebrenica  eine schweren Operation im Jänner oder Februar zu planen.

4) Zusammenarbeit mit SUMERO:
Die Überlastung von Haris ist ziemlich groß. (Er hat den Bau eines Behindertenhauses übernommen, das von Raiffeisen -Sarajevo mit 50 000 € gesponsert wurde!) Auch seine Tätigkeit bei Sumero hat eher zugenommen, er ist jetzt Geschäftsführer und voll zeichnungsberechtigt.!)
Durch diese Überlastung ist eine Neustrukturierung im Büro notwendig. Außerdem muss Morgijana schwerpunktmäßig studieren und hat daher weniger Zeit für ihre Arbeit als Sozialmanagerin.
Esma hat sich gut eingearbeitet. Sie hat gesundheitliche Probleme und ist wenig belastbar.
Die zwei Sozialarbeiterinnen Arnela und Anela arbeiten brav mit Klienten, sind in die Bürotätigkeit noch nicht voll integriert.
Es wird ein Aktionsplan für die Büroarbeit diskutiert und beschlossen.

Zusammenfassung:
Die laufenden Projekte in Bosnien- Herzegowina sind wichtig. Dies wird auch von allen Gesprächspartnern sehr lobend erwähnt.
Die praktische Arbeit ist sehr vielfältig und schwierig.
Die politischen Kontakte sind deutlich intensiviert und scheinen für die Zukunft erfolgversprechend.
Die Projektarbeit läuft gut, muss aber noch besser strukturiert werden. Das Arbeitsklima bei Sumero ist sehr gut.
Die Weiterarbeit in Bosnien ist sinnvoll!