Projekt HILFE FÜR SCHWERSTBEHINDERTE IN ARMUT
IN BOSNIEN-HERZEGOWINA

asd      

Die Ausgangssituation

Der grausame Krieg mit den “ethnischen Säuberungen” zwischen Serben, Kroaten und den als Bosniaken bezeichneten bosnischen Moslems (1992-1995) wurde durch das Dayton-Abkommen vom Dezember 1995 beendet. Große Teile des Landes sind noch immer vermint und daher landwirtschaftlich nicht nutzbar.
18 Jahre nach Kriegsende beträgt die Wirtschaftsleistung erst 70% des Vorkriegsniveaus. Während sich die wirtschaftliche Situation im Land langsam bessert, nimmt die Armut zu. 50% der Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina lebt unter oder nur knapp über der Armutsgrenze. 40% der Bevölkerung sind arbeitslos.
Menschen, die von Geburt an, durch Kriegseinwirkung oder Unfall schwer körperbehindert sind, erhalten keine ausreichende staatliche Unterstützung. Sie leben am Rande der Gesellschaft, ohne Zukunftschancen, und sind auf fremde Hilfe, meistens durch die Familie, angewiesen.
Die komplizierte Administration in einem mit nur geringen Kompetenzen ausgestatteten Gesamtstaat, mit zwei praktisch selbständigen Teilstaaten (Entitäten) - der Föderation BiH (BiH) und der Republika Srpska (RS) - mit 10 Kantonen und 140 Gemeinden verschlingt nahezu zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes.

Die Folge dieses massiven Finanzaufkommens zur Erhaltung der teuren staatlichen Strukturen ist ein allgemeiner akuter Geldmangel ohne ausreichende Mittel für soziale Dienstleistungen.

In Österreich und den meisten Staaten der „Ersten Welt“ erhalten Behinderte je nach dem Schweregrad der Behinderung abgestufte und meist ausreichende Unterstützung. Nicht so in Bosnien-Herzegowina: hier wird nur ein minimales „Behindertengeld“ an alle Menschen, die als behindert eingestuft sind ausbezahlt.

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BOSNIEN-
HERZEGOWINA

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Unser Projekt

Am Beginn dieses Projektes (2005) waren die Verhältnisse in BiH bezüglich der Sozialleistungen noch wesentlich chaotischer als heute. So erhielt z.B. ein Schwerstbehinderter im Kanton Mostar überhaupt keine Zuwendung und im Kanton Sarajewo ungefähr 80 €.

Um die Öffentlichkeit und die Politiker auf diese unmenschlichen Verhältnisse hinzuweisen, wurden von Austrian Doctors for Disabled 100 schwerbehinderte Menschen in extremer Armut aus dem gesamten Staatsgebiet ausgewählt. Unsere Recherche vor Ort hat ergaben, dass ein Betrag von Euro 120,-- pro Monat das Minimum ist, das in dieser Region zum Überleben erforderlich ist. Je nach Höhe der staatlichen Unterstützungen übernehmen wir den Differenzbetrag
Unsere Aktion führte dazu, dass in der FBiH 2008 ein Gesetz erlassen wurde, das jene Personen, die mehr als 60 % arbeitsunfähig sind mit ungefähr 150 € monatlich unterstützt.
In der RS blieb die unmenschliche Situation bestehen, daher werden seit diesem Zeitpunkt von uns 35 Schwerstbehinderte aus der RS als neue Modellgruppe mit je 100 € pro Monat unterstützt.
Unsere „existentielle Hilfe “ für die ausgewählten Behinderten hat neben dem wichtigen humanitären Aspekt auch eine politische Bedeutung: Durch das wiederholte Aufzeigen „himmelschreiender“ Schicksale konnten wir die Politiker überzeugen, dass soziale Verbesserungen in BiH dringend notwendig sind und dass man damit bei der „Most Vulnerable Group“ der Schwerstbehinderten beginnen muss. Von den Politikern beider Entitäten wurde diese Forderung weitgehend akzeptiert.

Ein großer Erfolg unserer Bemühungen war es, daß in der RS 2012 ein neues Sozialhilfegesetz erlassen wurde. Seither erhalten Schwerstbehinderte auch in diesem Landesteil höhere Unterstützung!

Der derzeitige Schwerpunkt unserer Hilfe betrifft die Anstellung von Persönlichen AssistentInnen für Schwerstbehinderte.
Wir haben aus der FHiH gesamten 16 Schwerstbehinderte ausgewählt und ihnen persönliche AssitentInnen zugeteilt. Diese arbeiten je nach Bedarf 5 - 20 Wochenstunden mit den Klienten. Sie erledigen Amtswege, helfen bei der Pflege und stellen soziale Kontakte her. Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht in der Unterstützung und Förderung der Behinderten bei der Ausbildung und einer eventuellen Berufsvorbereitung. Das Ziel ist die umfassene Inklusion in die Gesellschaft. .
Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die Präsenz und Arbeit der persönlichen AssistentInnen positiv auf die Psyche der Schwerstbehinderten auswirkt und sich ihre Lebensqualität wesentlich verbessert. Auch die Familienangehörigen, die zum Teil rund um die Uhr für den Behinderten sorgen, profitieren von dieser Hilfe.

Unsere Partnerorganisation in Sarajewo ist der Verein "Bosnian Doctors for Disabled.

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Sozialpolitisches Engagement

Um eine Nachhaltigkeit, entsprechend der Pariser Erklärung über die Verbesserung der Hilfsmassnahmen in der Entwicklungszusammenarbeit (2005) zu erreichen, muss als ein Schwerpunkt jedes Projektes frühzeitig ein Kontakt zur Regierung des Empfängerstaates aufgebaut werden. Dieser muss das Interesse am Projektinhalt dokumentieren (Ownership der Pariser Erklärung). Außerdem müssen die Projektträger die Arbeitsschwerpunkte mit der Regierung abstimmen (Alignment entsprechend Pariser Erklärung).

Diese Grundvoraussetzungen für ein nachhaltiges Projekt sind in Bosnien-Herzegowina sehr schwierig durchzuführen, da es kein gesamtstaatliches Gesundheits- bzw Sozialministerium gibt (es scheint der einzige Staat der Welt zu sein mit einer solchen Struktur!). Die volle Kompetenz der Gesundheits- und Sozialverwaltung liegt in den Händen der Entitätsverwaltung von FBiH bzw RS.
Wir unternehmen daher ein intensives Lobbying für die Errichtung eines gesamtstaatlichen Gesundheits- und Sozialministeriums. Wir hoffen, dass dieses Ziel in absehbarer Zeit konkretisiert wird.
Die Politiker beider Entitäten sind hoch motiviert, unsere Hilfe zu einer Verbesserung der Situation von Schwerstbehinderten anzunehmen.

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Zusammenfassung

Das laufende Projekt in Bosnien-Herzegowina entwickelt sich zunehmend in Richtung NACHHALTIGKEIT. Dies wird auch von allen Gesprächspartnern sehr lobend erwähnt.
Die praktische Arbeit ist sehr vielfältig und schwierig.
Die politischen Kontakte sind sehr intensiv und scheinen für die Zukunft erfolgversprechend.
Unsere Weiterarbeit in Bosnien ist sinnvoll!
Die Unterstützung unserer Arbeit durch unsere treuen Spender und durch die höchsten politischen Repräsentanten ist eine große Motivation für uns.

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