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Reisebericht 26. November - 4. Dezember 2010


REISEBERICHT GHANA: 26. November - 4. Dezember 2010

Max Kasparek, ein Medizinstudent im letzten Ausbildungsjahr, und ich trafen uns am Flughafen Wien um 9h15 und checken bei KLM ein. KLM war so generös und hatte uns insgesamt 42kg Freigepäck pro Person zugestanden, was uns erlaubte, medizinisches Material mitzunehmen, inclusive 6 Laptops, die Dr. Paul Rompa (ein holländischer Arzt, der Mentor der Reise) für das OTC (Orthopaedic Training Center) zur Verfügung gestellt hatte. Er erwartete uns schon am Flughafen in Amsterdam und gemeinsam haben wir einen angenehmen Flug bis zur Ankunft in Accra, wo wir um 19h50 Ortszeit landeten.

Nach einer eineinhalbstündigen Fahrt erreichten wir das Rehabilitations-zentrum in Naswam, das nur 25 km von Accra entfernt liegt. Ein herzlicher Empfang mit ghanaischem Bier und ein Rundgang durch den Ort beschlossen den Tag.

Die folgenden Tage, die heiß und schwül waren, verbrachten wir fast ausnahmslos in verschiedenen Spitälern. Bei einem gemeinsamen Frühstück, zu dem sich auch Sr. Elisabeth gesellte und uns über die Absicht der Regierung berichtete, eine Krankenversicherung zu entwickeln, die 20 € pro Person und Jahr kosten sollte, überlegten wir ein Partnerschaftsprogramm für das Paten gefunden werden sollte.

Wir sahen in etwa 27 Patienten, diskutierten diese ausführlich und fuhren anschließend in einer 5 stündigen Fahrt nach Dzodze in das St. Anthony s Hospital. Dort fanden wir auffallend viele Jugendliche und Kinder mit Blount Disease bzw. Deformität vor, die schon voroperiert ein Rezidiv bekommen hatten. Auffallend waren auch einige Patienten mit cerebraler infantiler Parese mit Klumpfüßen und Beugekontrakturen im Bereich des Kniegelenks. Ebenso sahen wir Kinder mit Arthrogryposen mit teilweise massiven Deformitäten. Bei einem Kind konnte nur mehr als sinnhafte Therapie eine Unterschenkelamputation auf Kniegelenksniveau indiziiert werden. Insgesamt wurden 60 Patienten von uns begutachtet und damit das OP Programm für die kommende Woche etabliert.

Ein kurzer Spaziergang und ein bodenständiges Gericht zum Abendessen, bestehend aus Redred, einer Art Bohnengericht mit Paradeisern, Bohnen, etwas Chili, Zwiebel etc. und dazu köstlich zubereitete Kochbananen lockerten die Anspannung des Tages auf.

Das OP Programm der kommenden Woche gestaltete sich ziemlich intensiv, es waren auch gleichzeitig Gäste hier, einer aus dem Militärspital in Accra, sowie Dr. Mendelof aus den USA, der das Ponseti Klumpfußprogramm hier propagiert.

In einer OP Pause konnte ich auch mit Dr. Joseph Korbisa, dem lokalen Arzt hier ein Gespräch führen. Informativ erwies sich auch eine Diskussion mit Mr.Christian Brown, dem Verwalter des Krankenhauses. Wir sprachen über zukünftige Projekte und unter anderem auch über meine Tätigkeit hier, wobei er mir empfahl um eine Medical License anzusuchen, die etwa 400€ kosten würde. Diese könne dann um 25€ pro Jahr verlängert werden.

Um auch noch einen kleinen Eindruck von Land und Leuten außerhalb des Spitals zu bekommen, fuhren wir in den benachbarten Ort, schlenderten durch den Markt und sahen mit Interesse afrikanisches Handwerk.

Nachdem sämtliche postoperativen Ergebnisse von mir fotografiert, die Abschlussdiskussion gestartet und protokolliert wurde, erhielten wir von der äußerst rührigen Köchin kleine Geschenke und fuhren am Nachmittag nach Accra.

In Accra wurden wir nach einer herzlichen Verabschiedungsszene von Dr. Awuku empfangen. Er lud uns zu einem sehr guten Abendessen zu sich ein und begleitete uns am nächsten Tag ins Universitätsspital in Kolibu, sowie in das Militärspital 37.

Schnell kauften wir noch einige nette Geschenke für unsere Rückkehr am Markt ein, dann gings auf den Flughafen. Dort war es für uns durch das typisch afrikanische Chaos lange Zeit unklar, ob wir unsere gebuchten Flüge auch tatsächlich würden antreten können. Aber inshallah, es glückte und nach 24 Stunden Heimreise landeten wir glücklich in Wien.

C. Wurnig