11. Newsletter, Dezember 2009
Weihnachten 2009 steht vor der Tür und Schenken ist angesagt. Je näher Weihnachten rückt, desto größer ist der Druck "etwas Passendes zu finden" weiß
GfK-Expertin Vera Grasl. Im Durchschnitt gibt jeder Österreicher für Geschenke 390 € aus. Ein Betrag der in anderen Teilen dieser Erde ein Jahresgehalt
darstellt. Im Zuge der allgemeinen Wirtschaftskrise werden Konjunkturpakete initiiert um den Konsum zu beleben. Ein durchaus zu hinterfragendes Ansinnen, da
Konsum den CO² Ausstoß vermehrt und die daraus resultierenden Folgen wiederum Kosten verursachen. Der Weg zu einem solidarischen Leben ist angesagt. Auf
der anderen Seite müssen aber jene, die in Armut leben auch akzeptieren, dass es ohne enorme Anstrengungen ihrerseits und ohne enorme Veränderungen ihres
Weltbildes nicht gehen wird. 2010 wird kein leichtes Jahr für die 3. Welt! Wir müssen auch hier unsere Vorstellungen für EZA Arbeit weiter entwickeln und
vielleicht weg vom Aktionismus zu weniger spektakulären Unternehmungen. Ich appelliere an alle interessierten mitzutun und diese Intentionen auch in der
Öffentlichkeit zu vertreten.
Euer Christian Wurnig
Präsident
| DfD PROJEKTPLANUNG - FACT FINDING MISSION IN KENYA |

Zwei Ärzte der Austrian Doctors for Disabled, Prof. Dr. Josef Grohs (AKH Wien) und Dr. Bernhard Neugebauer (SMZ OST, Wien) sind vor einer Woche von
der „fact finding mission“ nach Kwale, Kenya zurückgekehrt.
Der von der Kwale Foundation Austria finanzierte neue OP-Trakt des Distriktspitals wurde im November offiziell eingeweiht. Das Spital in der Hauptstadt des
Distrikt Kwale der Coast Region hat ein Einzugsgebiet von ca 500.000 Menschen. Derzeit gibt es ca 40 Betten, die aber hauptsächlich von Malariapatienten
oder Wöchnerinnen belegt werden, die in etwa aber nur längstens 24 Stunden stationär bleiben. Zwei einheimische Ärzte arbeiten derzeit im Spital, ein
Allgemeinchirurg und ein Turnusarzt, die sich vorwiegend um ambulante Patienten und um Geburten kümmern.
Da es im Distrikt bis jetzt keine orthopädisch-unfallchirurgische Versorgungsmöglichkeit gibt, wird in Erwägung gezogen in Zukunft auch traumatologische
Fälle in Kwale zu therapieren, die bislang - wenn überhaupt möglich - auf schlecht zu befahrenden Strassen in den Nachbardistrikt transportiert werden
müssen. Unsere Ärzte der Doctors for Disabled sollten den Bedarf und die Realisierung einer orthopädischen Ambulanz mit den einheimischen Ärzten zusammen
abklären und Hilfestellung beim Aufbau leisten.
Hauptaufgabe unserer Ärzte war aber im Moment noch den neuen OP tatsächlich zum Laufen zu bringen. Medizinisches Improvisationstalent war gefragt, die
Anschlüsse an den Narkosegeräten stimmten noch nicht mit den Leitungen im Spital überein, es gab behebbare Mängel an den OP-Lampen. Weiters mussten viele
chirurgische Instrumente sortiert und auf ihre Brauchbarkeit überprüft werden. Autoklaven zur Sterilisation wurden einsatzbereit gemacht. Die beiden
Doctors for Disabled zeichneten auch Skizzen für OP-Abdecktücher aus Stoff, die bei einem lokalen Schneider in Spitalsnähe noch gefertigt werden konnten
und dann bis zur ersten Operation auch schon genäht waren. Im Vergleich mit Einwegtüchern aus Papier wird neben zusätzlichen Kosten so auch Abfall
vermieden, die Stofftücher können gewaschen, sterilisiert und wiederverwendet werden.
Am 11. 11. konnte dann immerhin rechtzeitig zur Einweihungsfeier neben zwei Operationen in der Leiste auch die erste orthopädische Operation durchgeführt
werden, eine Sehnenoperation an einer Hand. Der Bedarf eines weiteren Ausbaus einer orthopädisch- und unfallchirurgischen Abteilung im Spital Kwale für die
Patienten vor Ort wäre jedenfalls aus Sicht der Doctors for Disabled gegeben und das Interesse der einheimischen Ärzte an einer Weiterbildungsmöglichkeit
vor Ort ist groß.
| PROJEKT HILFE FÜR SCHWERSTBEHINDERTE IN ARMUT IN BIH |
Diesmal möchten wir Ihnen einen Brief von Amela weiterleiten und Ihnen damit einen Einblick in unsere Projektarbeit vermitteln.
Amela ist 23 Jahre, lebt in Sarajewo und ist seit einem Sprung ins Schwimmbecken vom Hals weg gelähmt. Sie hat mit viel Disziplin gelernt, die Computermaus mit dem Mund zu betätigen. Amela hat ihre Situation im foglenden beschrieben:
Mein Name ist Amela. Seit neun Jahren bin ich Quadriplegikerin. Das hört sich schlimm an und das ist es auch! Es bedeutet Abhängigkeit und Freiheitslosigkeit. Ob man sich an der Nase kratzen möchte oder ein Glas Wasser trinken- immer muss man jemanden um Unterstützung bitten. Wenn man dann noch raus will, wird es erst zu einem richtigen Problem. Ja gut, du hast jemanden Zuhause, der dir beim Anziehen und sonstigen Vorbereitungen hilft, aber dann brauchst du auch noch jemanden, der mit dir raus geht. Bei mir ist es z.B. so, dass sich meine Mutter und meine Schwägerin um mich kümmern. Ich bin ihnen in der Tat unendlich dankbar dafür, aber ein Mensch braucht etwas Unabhängigkeit, etwas Freiheit. Darum ist es für Quadriplegiker wichtig, einen persönlichen Assistenten zu haben. Natürlich ist man dann weiterhin abhängig und natürlich hat man keine absolute Freiheit, aber es ist eine Art von Unabhängigkeit und Freiheit, denn du bist nicht von der gleichen Person anhängig. Sie fragen sich jetzt worin der Unterschied besteht, ob man nun von einer oder mehreren Personen abhängig ist!? Wenn man von einem Menschen abhängig ist, dann hängt man krampfhaft an ihm und ist immer in Angst und Sorge, dass dem Menschen etwas passieren könnte und du allein da stehst. Sie müssen nicht Quadriplegiker sein um dieses Gefühl zu kennen, aber bei Quadriplegikern kommt es besonders zum Ausdruck. Jeder Mensch strebt nach Unabhängigkeit, darum bin ich mir sicher, dass Sie mich ein Stückchen weit verstehen können . Ich möchte Sie zum Schluss noch eines bitten. Versuchen Sie nur einmal für eine Stunde still da zu sitzen und ihre Hände nicht zu benutzen und dann versuchen sie es sich vorzustellen, dass das 24 Stunden am Tag so ist und das Tag ein Tag aus. Dann bekommen sie vielleicht, aber nur vielleicht einen kurzen Einblick wie das Leben eines Quadriplegikers ist. Auch wenn ihr Leben auf anderen Ebenen erfüllt ist, ist es doch ein schreckliches Gefühl, nicht wahr? Es ist aber auch nicht das Ende der Welt und man kann es akzeptieren und lernen damit zu leben. Dabei sind gutmütige Menschen, wie die von Dfd, die helfen, beraten und für einen da sind, sehr wichtig . Besonders dankbar bin ich dem Prof. Martin Salzer, denn ohne ihn würde ich nicht sein. Vielen Dank!
mit freundlichen Grüßen
Amela
Die lezten Propjekteinsätze waren besonders auf politischem Gebiet sehr intensiv und erfolgreich.
Kurzbericht Dezember 2009
Mit Auslaufen der ADA-Förderung Ende Juni 2009 wurde das Pilotprojekt in Bamako beendet und in die Verantwortung des malischen Teams übergeben.
Im Behandlungszentrum CNAOM (Centre National d'Appareillage Orthopédique au Mali) in der Hauptstadt Bamako finden gute Basisbehandlungen mit der Klumpfussbehandlung nach Ponseti statt.
Supervisionen der Nachbehandlung und Ausbildung weiterer Fachkräfte durch Austrian Doctors for Disabled sind auch in Zukunft geplant.
Im Februar 2010 wird Herr Dr. Christof Radler zu einem diesbezüglichen Arbeitseinsatz nach Bamako fliegen. (Bericht)
Zusammenfassender Kurzbericht des Pilotprojektes
| GRÜNDUNG EINER CSO-Plattform (Civil Society Organisation) |
Wir haben in unserer Gesellschaft eine zivilgesellschaftliche Plattform "BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG - FAMILIENPLANUNG" gegründet.
Die Thematisierung dieses Problems (in 30 Jahren wird es in Afrika zwei Milliarden Menschen geben!!) scheint gerade nach dem Scheitern der Kopenhagener Klimakonferenz von grösster Dringlichkeit.
Wir freuen uns, dass Herr Univ. Prof. Dr. Heinrich Stemberger , Leiter des Institutes für Tropen- und Reisemedizin Wien sowie Honorarkonsul von Mali sich bereit erklärt hat, die Leitung dieser Plattform zu übernehmen.
Eine Veranstaltung mit internationalen Fachleuten zu diesem Themenschwerpunkt ist in Vorbereitung.
Falls Sie keine weiteren Zusendungen wünschen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail mit dem Betreff "NEIN DANKE" an: office@doctorsfordisabled.at
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