10. Newsletter, Juli 2009
Liebe Freundinnen und Freunde von Austrian Doctors for the Disabled!
Wir möchten uns ganz herlich bei allen treuen Spendern und Paten bedanken, die es uns ermöglichen, unsere Projekte einer nachhaltigen medizinischen Entwicklungszusammenarbeit weiterzuführen.
Wir wünschen einen schönen Sommer!
Das Team von DfD
| SYMPOSIUM BEIM EFORT KONGRESS 2009 |
Emerging Third World Orthopaedics
Der EFORT Kongress 2009 in Wien mit 8000 Teilnehmrn stellt für uns einen großen Erfolg dar, da es erstmals gelungen ist auf einem internationalen Kongress von europäischem Niveau ein Symposium zu veranstalten, bei dem die Orthopädie in der sogennanten dritten Welt ein Thema ist.
Am Samstag, den 6. Juni konnte unter der Leitung von Martin Salzer ein zweistündiges Symposium mit dem Thema „Emerging 3rd World Orthopaedics“ abgehalten werden. Durch ein internationales Rednerforum (Schweden, Schweiz, Deutschland, Holland Österreich und Bosnien-Herzogowina) wurden unterschiedlichste Themen der medizinischen Entwicklungszusammenarbeit diskutiert.
Einleitend beleuchtete Martin Salzer (Österreich) die Grundlagen jedes Entwicklungshilfe-Projektes: Know-How-Transfer, Nachhaltigkeit jedes Projektes und die Zusammenarbeit mit den Institutionen vor Ort entsprechend der „Pariser Erklärung zur verbesserten Hilfe“.
Roland Jakob (Schweiz) berichtete über ein AO Fellowship in Eritrea, wobei auch die Nachhaltigkeit der Ausbildung ein wichtiges Thema war.
Paul Rompa (Holland), der schon seit Jahren in der 3. Welt und auch in Ghana tätig ist, sprach über das dortige Gesundheitssystem und seine Initiative mit den einzelnen Ärzten einerseits Operationen durchzuführen aber vor allem auch Nachhaltigkeit und Selbständigkeit zu praktizieren.
Christof Radler (Österreich) sprach über das Klumpfußprojekt in Mali, wobei Höhen und Tiefen aber vor allem die Nachhaltigkeit kritisch beleuchtet wurde.
Von Semin Becirbegovic (Bosnien-Herzegowina) wurde der Know-How-Transfer in ein Entwicklungsland mitten in Europa, hinsichtlich orthopädisch chirurgischen Operationen (Hüfttotalendoprothesen) besprochen.
In der nachführenden Diskussion wurden die Fürs und Widers einer medizinischen Entwicklungshilfe sehr kritisch und vor allem selbstkritisch diskutiert.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es einige Initiativen gibt, die erfolgreich sein könnten, die lokalen Strukturen in den entsprechenden Ländern sind jedoch teilweise mit unseren Intentionen nur sehr bedingt kompatibel und es stellt noch einen weiten Weg dar Nachhaltigkeit und Selbständigkeit solcher Projekte zu ermöglichen.
Einen nochmaligen Dank an die Veranstalter, im speziellen an Herrn Prof. Karl Knahr für die Möglichkeit der Durchführung dieses Symposiums. Wir hoffen, dass auch auf zukünftigen EFORT Kongressen entsprechende Symposien veranstaltet werden können.
- "Klumpfussprojekt Mali"
Mit Ende Juni 2009 haben wir das Pilotprojekt in Bamako beendet und es in die Verantwortung der malischen Regierung übergeben.
Innerhalb der letzten 3 Jahre wurde ein Behandlungszentrum, die „cellule pied bot“ im CNAOM (Centre National d'Appareillage Orthopédique au Mali), einer halbstaatlichen Institution in der Hauptstadt Bamako aufgebaut. Die von DfD ausgebildeten Trainer leisten hier gute Basisbehandlungen mit der Klumpfussbehandlung nach Ponseti.
Geplant ist eine Ausweitung in andere Bezirke Malis, verbunden mit Informations-Kampagnen.
Bei insgesamt 11 Arbeitseinsätzen österreichischer und deutscher Fachleuten wurde lokales Personal ausgebildet, supervidiert und ein kontinuierliches Follow-up entwickelt. Neben der praktischen und administrativen Arbeit gab es eine Menge an Besprechungen und Lobbying mit allen Regierungsebenen und anderen NGOS.
Zusätzlich wurden erste Schritte für die operative Behandlung von älteren KlumpfußpatientInnen in der Universitätsklink Gabriel Touré unternommen.
Das Projekt konnte bisher aus Mitteln privater und öffentlicher Sponsoren finanziert werden. (Trotz vieler Versprechungen kam nur ein geringe finanzielle Unterstützung von malischer Seite).
Um eine Kontinuität des Projektes zu gewährleisten, werden Ärtze von DfD weiterhin auf Wunsch Supervisionen und Ausbildungen vor Ort durchführen.
Nächster Schritt:
Sustainable Clubfootproject of Mali (SCFPM)
Das Pilotprojekt soll nun in ein nachhaltiges Klumgfußprojekt gemäß den Richtlinien der „Paris Declaration on Aid Effectiveness 2005“ übergeführt werden.
Für eine weitere Zusammenarbeit mit ADFD wären folgende Vereinbarungen notwendig, die wir den malischen Behörden vorgeschlagen haben:
Grundsätzliches Abkommen über die Übereinstimmung mit den Richtlinen der Pariser Erklärung:
- „Ownership“: von Seiten der malischen Regierung wird das Interesse am Projekt bestätigt
- „Alignment“: regelt die Zusammenarbeit mit Regierung- CNAOM- DfD
- „Harmonisation“: Kooperation mit anderen NGOS, wie z.B. Handicap International
Die dafür notwendigen Vereinbarungen und verbindlichen Zusagen seitens der malischen Behörden sollen im Detail diskutiert, geplant, vorbereitet und unterzeichnet werden: Übernahme durch den Staat, ein Aktions- und Finanzplan, exakte Definition der beiden Säulen der Klupfußbehandlung: Ponseti-Methode als primäre Behandlung junger Kinder und Operationen als ergänzende Behandlung bei älteren PatientInnen.
Wir erwarten die Stellungnahme von malischer Seite.
------------------------------------------------------------------------------------------------------
- Projekt "Hilfe für Schwerstbehinderte in Armut in Bosnien-Herzegowina"
Erstmals fand am 24. Juni in Banja Luka eine gemeinsame Konferenz mit den Sozialministerien aus beiden Entitäten statt.
Titel:. „Verbesserung der Beurteilung der Invalidität und des notwendigen Pflegebedarfs“
LISTE DER TEILNEHMER:
Dr. Christina Wehringer Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Österreich
Prof.Dr. Martin Salzer Austrian Doctors for Disabled
Mirza Sulejmanović Kabinett des Vizepräsidenten FbiH
Ljubo Lepir Ministerium für Gesundheit und Sozialpolitik RS
Tatjana Gajić Ministerium für Gesundheit und Sozialpolitik RS
Ankica Kostić Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik der Föderation BiH
Dr. Fani Majkic Ministerium für Gesundheit Sozialpolitik der Föderation BiH
Dr.Fehma Kovać Institut für medizinische Begutachtung des Gesunheitszustands, Sarajevo
Dr.Ivan Šandrk Institut für medizinische Begutachtung des Gesunheitszustands, Sarajevo
Zoran Dobraš KOIRS, Banja Luka
Haris Haverić DfD/Sumero
Dino Halugić DfD/Sumero
Frau Dr. Christina Wehringer sprach über die Situation in Österreich. Ihre zweiteilige Präsentation beinhaltete: «Unterstützung behinderter Menschen in ihrer Lebensbewältigung» (Ausbildung, Arbeit und Freizeit) mit der in Österreich verwendeten Einschätzungsgrundlage des Schweregrades von Behinderungen und „Hilfestellung bei Pflegebedürftigkeit“
Prof. Dr. Martin Salzer präsentierte das erarbeitete Konzept eines Vergleiches von 5 Einteilungen: ICF (Internat. Klassifikation),, Behindertenstufen in der Republika Srpska bzw. in der Föderation Bosnien und Herzegovina, die österreichische Einstufung schwerst behinderter Menschen und die österr. Pflegestufen.
Die derzeitigen Unterstützungsleistungen für alle Behinderten, und damit auch für Schwerstbehinderte sind generell in Bosnien sehr niedrig: In der RS ca. € 20,- pro Monat, in der FBiH ca € 160,-. Ein großer Unterschied besteht auch zwischen den Kriegsbehinderten und den Zivilbehinderten gemacht, nicht nur in der Höhe des Pflegegeldes, sondern auch bei den Einschätzungen der Behindertenstufe.
Herr Ljubo Lepir (Vizeminister für Gesundheit und Sozialpolitik RS) schlug vor, ein Pilotprojekt in zwei Gemeinden (z.B. in der Republik Srpska in Istok-Sarajevo, und in der Föderation BiH in Novigrad-Sarajevo ) zu starten. Zwei Teams, eines in der RS und das andere in der FBiH sollen unter der Schirmherrschaft der Ministerien der beiden Entitäten und mit Hilfe der Kollegen aus Österreich die Erstellung eines gemeinsamen Modells für die Bewertung der Behinderung auf dem ganzen Gebiet von Bosnien und Herzegovina (RS und FBiH) erarbeiten.
Geplant ist der Start dieses Pilotprojektes in den nächsten Monaten.
Nach diesem positiven Treffen werden „Detailarbeiten“ intensiv begonnen und ein nächstes Treffen für Okt. 2009 geplant.
-------------------------------------------------------------------------------------
- Neues aus Ghana und Kenya
In Ghana wurde aufgrund der Gegebenheiten im Spitalssystem ein Wechsel notwendig. Nachdem die orthopädischen Operationen der Austrian Doctors for the Disabled technisch anspruchvoll sind und auch ein ausreichendes Equipment benötigen (Röntgen, Strom, Pressluft, ect…) können solche Eingriffe derzeit nur in 2 ghanaischen Spitälern durchgeführt werden. Ein drittes Spital wird derzeit diesbezüglich adaptiert. Daher ist der nächste Einsatz in Ghana für März 2010 geplant.
Im November 2009 wird das schon in Ghana bewährte Ärzteteam Prof. Grohs/ Dr. Neugebauer 14 Tage im von Wolfgang Ambros und Fürstin Dr. Therese Schwarzenberg gebauten Spital in Kwale/Kenya orthopädisch-unfallchirurgische Operationen durchführen.
| „NICHT MIT LEEREN HÄNDEN“ – DANK AN TEATRO CAPRILE |
Das Teatro Caprile wurde mit seinem Stück „Helvers Nacht“ in Rahmen einer Tournee auch nach Bihac und Sarajewo eingeladen.
Frau Katharina Grabher wollte nicht mit leeren Händen nach Bosnien-Herzegowina kommen und initierte eine Spendenaktion. Bei allen Aufführungen wurde für unser Hilfsprojekt in Sarawo gesammelt. Insgesamt konnten 2.000 Euro an SUMERO weitergegeben werden.
Vielen Dank für dieses außergewöhnliche Engagement.
www.teatro.caprile.at.tf
Eine Auswahl an Veröffentlichungen über Arbeit und Veranstaltungen von Austrian Doctors for the Disabled.
Orthopaedics today, Volume 12/Number 3, May/June 2009
Prof. Salzer: „Emerging third-world orthopaedix – An opportunity to make a difference“
pdf-download
Medical Tribune, 17. Juni 2009
“Medizinische Entwicklungshilfe - Nachhaltigkeit ist entscheidend”
pdf-download
Salzburger Nachrichten, 27.6.2009
„Wie ist das jetzt mit Afrika“ Martin Salzer im Interview mit Frau Sibylle Fritsch
pdf-download
Ärztemagazin, 24/2009
Bericht über den Efort-Kongress und den Beitrag von DfD
pdf-download
Falls Sie keine weiteren Zusendungen wünschen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail mit dem Betreff "NEIN DANKE" an: office@doctorsfordisabled.at
|