5. Newsletter, September 2007
Liebe Mitglieder und FreundInnen unserer Gesellschaft!
Wir möchten uns ganz herzlich für die Reaktionen auf den Artikel im Kurier vom 1. Juli 2007: Hilfe für Bosnien. „Es geht ums nackte Überleben“ bedanken. Nach einer aktiven Sommerpause melden wir uns mit Neuigkeiten zurück.
Martin Salzer und sein Team
- "Klumpfussprojekt Mali"
Vierte Mission in Bamako
Martin Salzer, Klaus Zhuber, Karin Waschak und Anita Kux haben den vierten Einsatz für das Klumpfußprojekt vom 19/08/07 bis 03/09/07 in Bamako (Mali) absolviert.
Das erste Ziel dieser Reise war es, das Projekt auf Regierungsebene zu bringen, um es in das Nationale Programm für Behinderte zu integrieren. Zu diesem Zweck wurden folgende Aktivitäten unternommen:
--- In einem ersten Treffen mit Monsieur Ismaila KONATE, Präsident der FEMAPH (malische Federation zugunsten behinderter Menschen) wurde ein größeres Treffen mit Persönlichkeiten des Ministère du Développement Social, des Ministère de la Santé, mit einem Vertreter von Handicap International, mit der Coordinatrice Nationale du „Programme de Réadaptation à Base Communautaire (PRBC), mit zwei Vertreter des CNAOM und mit uns Österreichern organisiert.
Während dieses Treffens wurde das Projekt KLUMPFUSS dargestellt und danach wurde ein Comité ernannt, welches die Aufgabe bekam, konkrete Linien zu erarbeiten, um die Integration des Projektes auf institutionellem und strukturellem Niveau zu ermöglichen.
Dieses Komitee traf sich zum ersten Mal am 29/08/07. Dabei wurde ein Dokument geplant, das bei der Generalversammlung in der zweiten Septemberhälfte vorgelegt werden soll.
--- In einem anderen Treffen mit Monsieur AMADOU ROUAMBA, Generalsekretär des Sozialministers, kündigte dieser das große Interesse des Ministers an und versicherte, das Projekt intensiv zu unterstützen.
--- Die österreichische Delegation wurde auch von Monsieur ALASSANE BOCOUM, Directeur du Dévelopement Social empfangen. Er sicherte seine Unterstützung zu und wird in einem offiziellen Dokument diese Zusage bestätigen. Beide Persönlichkeiten bestätigten, dass eine neue Struktur des CNAOM (des geplanten Zentrums der Klumpfussbehandlung in Bamako) notwendig sei, um den Bedürfnissen des Projektes gerecht zu werden.
--- Ein Treffen mit Handicap International (HI) fand statt. Der Koordinator von HI wiederholte seine Intention, das Projekt finanziell zu unterstützen. In einem internen Treffen sollen die genauen Modalitäten erarbeitet werden. HI schlug vor, dass im Dezember 07 während des Aufenthaltes einer Delegation des Int. Roten Kreuzes (CICR) in Bamako gemeinsam mit HI und DFD ein Vorschlag zur Restrukturierung des CNAOM erarbeiten und der Regierung vorgestellt werden soll.

Das zweite Ziel dieser Mission war die Supervision der Arbeit im CNAOM. Die österreichische Gruppe hatte ein langes Gespräch mit den dortigen Mitarbeitern. Es wurde beschlossen, dass je nach Einsatz eine kleine monatliche Entlohnung von DfD bezahlt wird. Die Mitarbeiter (Orthopädietechniker, Physiotherapeuten, Schuster und Sozialarbeiterin) wurden in 3 verschiedenen Entlohnungsgruppen eingeteilt.
88 Kinder mit 140 Klumpfüße wurden begutachtet und behandelt. 62 Füße zeigten ein zufrieden stellendes Ergebnis (40 sehr gut, 22 gut), bei 27 Füßen musste ein schlechtes Ergebnis festgestellt werden, diese bedürfen weiterer Therapie. 51 Füße befinden sich noch in laufender Behandlung.
Monsieur Baba TOUNKARA, der ab jetzt als Supervisor der gesamten Gruppe fungieren soll, begleitete Karin Waschak die ganze Woche und wurde intensiv geschult; von besonderer Wichtigkeit waren dabei die Beachtung von 4 Punkten:
1.) die Diagnostik und Unterscheidung von Klumpfüßen und anderen Fußdeformitäten (Kletterfuß, Hakenfuß, Sichelfuß)
2.) die Indikationsstellung zur Achillessehnentenotomie und ihre Voraussetzungen
3.) die Aufklärung der Eltern über die Notwendigkeit der konsequenten Schienentherapie und der drohenden Rezidivgefahr bei Non-Compliance (Nichteinhaltung)
4.) zusammen mit Dr. Kiré die exakte und komplette Durchführung der Achillessehnentenotomie und das Anlegen des Gipses nach der Tenotomie, da dieser das Ergebnis maßgeblich beeinflusst.
Des Weiteren wurde die Dokumentationsdatenbank der Patienten minutiös ergänzt und die Wichtigkeit ihrer Weiterführung den Therapeuten erklärt.

Das dritte Ziel des Einsatzes war es, die gute Abwicklung der Operationen zu organisieren. Dank der guten Zusammenarbeit mit Prof. TRAORE, Chef du Centre de la Santé de référence de la Communne 5, mit dem Anästhesisten Yargagnan BALLO wurden von ZHUBER, SALZER und WASCHAK sieben, zum Teil sehr schwierige Operationen durchgeführt.
Die operierten Kinder wurden mit ihrer Müttern in dem renovierten Raum des CNAOM untergebracht. Dr. KIRE erwies sich als sehr verlässlich in der Vor- und Nachbetreuung der Operationen und der Operierten.
Zwei junge malische Chirurgen nahmen an den Operationen teil: Dr. Pierre TOGO von Centre 5 und Dr. Abdoul DADRI MOUSSA von Hospital Gabriel TOURE. Beide zeigten großes Interesse an der Klumpfusschirurgie.
Zusammenfassung
Als ganz großer Erfolg kann die Eingliederung des Klumpfussprojektes in das Malische Gesundheitsprogramm gewertet werden, sowie die verbindliche Zusage das CNAOM zu einem Klumpfusszentrum auszubauen (siehe Grafik).

Die bisherigen MitarbeiterInnen haben mit großem Engagement gearbeitet. Sie benötigen weiterhin regelmäßige Supervision und praktische Unterstützung.
Insgesamt konnte das österreichische Team Mali mit der Gewissheit verlassen, wichtige Schritte zur Nachhaltigkeit des Projektes getan zu haben.
- Projekt "Hilfe für Schwerstbehinderte in Armut in Bosnien-Herzegowina"
Bericht über die Aktivitäten des Aufenthaltes vom 4. - 7. 9. 2007
Der Schwerpunkt des diesmaligen Bosnienaufenthalts bestand darin, auf politischer Ebene eine Verbesserung der Situation für die Schwerstbehinderten zu erwirken.
Durch die großzügige Unterstützung der Bosnischen Botschaft in Wien konnten Termine mit hochrangigen Politikern beider Entitäten erfolgen.
1) Treffen mit dem Gesundheits- und Sozialminister der Republika Srpska (RS)
Minister Dr. Ranko Srbic und sein Assistentsminister Dr. Ljubo Lepir empfingen Dr. Martin Salzer (DfD), Frau Morgijana Karic und Herrn Haris Haveric von der lokalen NGO „Sumero“ in Banja Luka.
Die beiden Minister informierten über die Situation der Schwerstbehinderten in der Republik Srpska: Derzeit ist aus Budgetgründen nur eine minimale Unterstützung von 21 € pro Monat möglich und dies ab einem Invaliditätsgrad von 100 % unabhängig vom Pflegebedarf des Schwerstbehinderten.
Es ist vorgesehen, diesen Betrag im nächsten Jahr zu verdoppeln.
Die österreich-bosnische Delegation vermittelte die Betreuung von Schwerstbehinderten in Österreich. Hier erfolgt die Unterstützung abhängig vom Pflegebedarf, der bei schwersten Behinderungen (Pflegestufe 7) über 1500 € monatlich beträgt.
Den Politikern werden Unterlagen über 31 Patienten aus der Republika Srpska übergeben, von denen 5 den Pflegestufen 5 bis 7 zugehören. Diesen Menschen hilft Doctors for Disabled und Sumero mit einer monatlichen Unterstützung von 120 €.
Die Minister akzeptierten voll, dass für diese Menschen in der Republik Srpska vordringlich Verbesserungen gemacht werden müssen.
Martin Salzer bietet an, Unterlagen über die Evaluierung von Schwerstbehinderten in Österreich zu schicken und Hilfestellungen bei der Erfassung der Schwerstbehinderten in der RS zu leisten.
2) Treffen mit dem Vizepräsident der Federation Bosnien-Herzegovina (FBiH), Herrn Mirsad Kebo und dessen Kabinettschef Erdal Selmanovic.
Auch bei diesem Treffen steht die Problematik der Schwerstbehinderten im Mittelpunkt. In der Federation erhalten nach einem neuen Gesetz alle Behinderten eines Invaliditätsgrades von mehr als 60 % monatlich 150 €. Die Schwäche dieses Gesetzes liegt darin, dass kein Pflegegeld bei den schwerstbehindertsten Menschen vorgesehen ist.
Auf diese Problematik wird ausführlich eingegangen und empfohlen, eine Erhöhung der staatlichen Unterstützung bei Menschen mit einer Pflegestufe 5, 6 und 7 zu planen. Dieser Gedanke wird von den Politikern positiv aufgegriffen. In der nächsten Zeit sollen Vorschläge für die Verbesserung der Betreuung schwerstbehinderter Menschen ausgearbeitet werden.
3) Treffen mit dem Vorsitzenden des Parlaments der Federation Bosnien-Herzegovina, Herrn Safet Softic. Herr Softic interessiert sich sehr für das Problem der Schwerstbehinderten und sagt die Unterstützung unseres Anliegens zu. Er wird mit dem Premierminister und den zuständigen Ministern über die Verbesserung der Situation der Schwerstbehinderten in der Federation konferieren.
Im Arbeits- und Sozialministerium soll eine Kommission die Problematik der Schwerst- behinderten bearbeiten. Weiters soll geprüft werden, ob eine Unterstüzung des Parlaments der Federation nötig ist.
4) Treffen mit dem Vizepräsidenten der Raiffeisenbank Bosnien-Herzegovina, Herrn Zdenko Mihajlovic, der beste Kontakte zur Führung der Republika Srpska hat. Er ist über die schlechte Situation schwerstbehinderter Menschen voll informiert und sagt die Unterstützung bei unseren politischen Anliegen zu. Außerdem will er versuchen, Patenschaften für unsere Klienten zu übernehmen.

5) Treffen mit Frau Davolka Samardzija, Konsul der Bosnischen Botschaft in Wien und ihrem Mann, dem Kabinettchef des Außenministeriums, Herrn Zelijko Samardzija.
Frau Konsul hat uns bei den Terminabsprachen mit den Politikern sehr unterstützt und ist voll über die Problematik informiert. In einem sehr freundschaftlichem Gespräch sagen uns die beiden Herrschaften die weitere Unterstützung zu.
6) Treffen mit Ademir Kenovic, dem Regisseur des Filmes „ Immer noch ich“ ("It´s still me") und den Sponsoren Michael Müller (Präsident der Raiffeisenbank BIH), Jasmin Hos, Direktor der Firma Tondach BIH und Mirsad Catic, Direktor der Firma Alarm West Mostar.
Der Film von Ademir Kenovic wurde beim Sarajevo Filmfestival gezeigt und war ein großer Erfolg.
Die Vertreter der Hilfsorganisation M. Salzer, M. Kadic und H. Haveric sprachen den Sponsoren und dem Regisseur den herzlichsten Dank aus und überreichten Anerkennungsurkunden. Es wurde eine weitere Zusammenarbeit in Erwägung gezogen.
7) Teamsitzungen mit Besprechung der weiteren Aktivitäten:
Basis für die weiteren Aktivitäten ist der Aktionsplan September - November 2007 des Projektes über das Mobile Service.
Dabei wurde über die Anstellung von Personalassistenten und ihre Ausbildung gesprochen. Es sollen zunächst 7 Personen angestellt werden, die in einem Teil der Städte mit der Betreuungsarbeit unserer Klienten beginnen werden.
Dr. Mufit und Fr. Karic werden die Klienten weiter kontaktieren und eine Vorbereitung über die Klassifizierung Schwerstbehinderter durchführen.
Die orthopädietechnische Versorgung durch die Firma Otto Bock Sarajevo wird fortgeführt, ebenso die Kontakte mit der Firma Ospelt bezüglich der Adaptierung von Wohnungen.
Weiters wird eine Ergotherapeutin gesucht, die den Kontakt zu den Klienten beginnen soll.
Zusammenfassung:
Das Projekt tritt in eine sehr schwierige Phase:
Es ist gelungen, gute Kontakte zu Politikern beider Landesteile aufzubauen. Die Personen zeigen Interesse an den Problemen der Schwerstbehinderten. Die Umsetzung, die zu einer Verbesserung der Betreuung führen soll, ist noch nicht gewährleistet. Hier ist eine intensive weitere Lobbyarbeit notwendig.
Der Aufbau des mobilen Service bei den erfassten 100 Klienten läuft auf Hochtouren. Die derzeitigen Erfahrungen der PersonalassistentInnen mit der Sozialarbeit und mit unserer Sozialmanagerin sind sehr erfolgversprechend.
- Projekt "Koforidua" - Ghana
Vom 3. – 17. November 2007 findet der nächste Einsatz statt. Neu im Team ist ein Anästhesist des Orthopädischen Spital Speisings, Dr. Radomir Cumlivski, der vom Leiter des Projektes, Univ. Prof. Dr. Christian Wurnig, ebenfalls vom Orthopädischen Spital Speising, mit den neuen Aufgaben in Afrika vertraut gemacht wird. Weiters zum Einsatz kommen der Unfallchirurg Dr. Bernhard Neugebauer vom Unfallkrankenhaus SMZ Ost Wien, der schon im November 2006 sehr erfolgreich in Koforidua gearbeitet hat und Dr. Eva Gollob, die sich um weitere Kontakte mit dem Gesundheitswesen in Ghana bemühen wird.
1) Symposium: Schwerstbehinderte in Bosnien-Herzogowina. Wie können wir helfen?
Freitag, 19. Oktober 2007, 8:30 - 10:30
Orthopädisches Spital Speising
Einladung und Programm werden rechtzeitig zugesandt.
2) Einführung in die Entwicklungszusammenarbeit
Ein Studienforum präsentiert von Karin Okonwo-Kamper
Mittwoch, 24. Oktober 2007, 18:00 bis 21:00 Uhr
Afro-Asiatisches Institut, Türkenstraße 3, 1090 Wien
www.aai-wien.at
Anmeldung: Maria Wiech: bildung@aai-wien.at
- Aus dem Jahresbericht der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung 2006
Entwicklungsländer wachsen bis 2050 um 2,6 Milliarden Menschen.
Afrika wächst ungebremst: Frauen in Afrika bringen im Durchschnitt 5,5 Kinder zur Welt. (In Spanien und Italien. bekommt eine Frau durchschnittlich 1,4 Kinder). In den kommenden 43 Jahren wird sich die Bevölkerung Afrikas heute 944 Millionen auf knapp zwei Milliarden Menschen mehr verdoppeln.
Aktuellen Bevölkerungsprojektionen zufolge wird Europa weiter schrumpfen.
Jugendliche in Afrika fordern mehr Sexualaufklärung, besonders in den Schulen. Etwa 1,8 Milliarden Menschen und damit 27 Prozent der Weltbevölkerung sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 10 und 24 Jahren. Besonders jung sind die Bewohner Afrikas: Hier ist ein Drittel der Menschen zwischen 10 und 24 Jahre alt.
Die Anwendung von Kontrazeptiva ist in den Ländern südlich der Sahara unterschiedlich verbreitet. Junge Menschen in Afrika südlich der Sahara wollen sich vor ungewollten Schwangerschaften und HIV/ Aids schützen. Sie brauchen Unterstützung!
Zusammenfassung einer Aussendung der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) www.weltbevölkerung.de
- Aus Mitteilungen der AGEZ, Kurzbericht Juli, August 2007
Nach der Hälfte der Zeitraums der Erfüllung der MDGs zieht das EU-Parlament eine ernüchternde Bilanz: Viele südlich der Sahara gelegenen Länder haben keine Aussicht auch nur eines der Ziele zu erreichen. Die Zusagen der reichen Länder in Bezug auf die finanzielle Unterstützung sind bisher bei weitem nicht eingehalten worden, kritisiert die SPÖ-Europaabgeordnete Scheele. Das im EU-Parlament kontroversest diskutierte Thema war die Frage der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Ein Teil der Abgeordneten spricht sich weiterhin gegen jeden konkreten Hinweis darauf aus. Doch ohne die sexuellen und produktiven Rechte sind die MDGs Müttersterblichkeit und Bekämpfung von AIDS nicht zu erreichen, so Scheele. Presseaussendung SPÖ vom 20.6.07
- Aus Mitteilungen der AGEZ, Kurzbericht Juli, Aug 2007
Greenpeace Deutschland stellte im Juni die Studie „Klimaflüchtlinge – die verleugnete Katastrophe“ vor und warnt darin vor 200 Millionen Klimaflüchtlingen in den kommenden 30 Jahren, sollte sich der Klimawandel in bisherigem Ausmaß fortsetzen.
Falls Sie keine weiteren Zusendungen wünschen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail mit dem Betreff "NEIN DANKE" an: office@doctorsfordisabled.at
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