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Klumpfuß Projekt Mali, Westafrika

 

Zusammenfassender Kurzbericht zur Beendigung des Pilotprojektes per Juni 2009

Die Entscheidung ein Klumpfussprojekt in Mali zu beginnen hatte mehrere Gründe:

  • In Mali ist eine Rate von jährlich etwa 700 neugeborenen Kindern mit Klumpfüssen zu erwarten.
  • Mali ist ein Staat mit stabiler demokratischer Regierung und geringer Korruption.
  • Durch Bekannte lernten wir einen ehemaligen hohen Regierungsbeamten (Gaoussou Traore) kennen, der mehrfach in Österreich war und viele politische Kontakte hatte.

Nach einer Factfinding Mission begann das Projekt im nationalen Rehabilitationszentrum CNAOM. In diesem Zentrum wurden zentral für ganz Mali Prothesen nach Amputationen und orthopädische Apparate hergestellt. Der Direktor war sehr interessiert, ein Klumpfußprojekt in seinem Institut zu beginnen.
Geplant war die Behandlung von Kindern bis zum Alter von 2 Jahren nach der Methode von Ponseti. Diese bedeutet eine Etappengipsbehandlung anschließend mit einer Tenotomie der Achillessehne und dann langdauernde Schienenversorgung. Dadurch können bei den meisten Patienten auch mit sehr starken Klumpfüssen Heilungen erzielt werden.
Die Versorgung älterer Patienten erfordert meist große Operationen mit wesentlich aufwändigeren Vorbereitungen in einer volleingerichteten Klinik.
Im Laufe des Projektes fanden insgesamt 11 Einsätze von österreichischen und deutschen Spezialisten in Bamako statt.
Im CNAOM wurden interessierte Mitarbeiter des Institutes – Physiotherapeuten, Krankenpfleger und Schwestern, Orthopädietechniker und 2 Ärzte - intensiv eingeschult. Vier dieser Mitarbeiter wurden nach einem Jahr zu Trainern ernannt. Diese Personen zeigten ein großes Engagement und eine Bereitschaft, sich für die Patienten einzusetzen.
Bei den Besuchen konnten wir uns über die großen Fortschritte der lokalen MitarbeiterInnen überzeugen.
Insgesamt sind bisher knapp 300 Kinder behandelt worden, wobei die (sehr lückenhafte) Nachuntersuchung gute Resultate der Behandlung ergaben.
Parallel dazu erfolgten im Universitätskrankenhaus an der Kinderchirurgischen Klinik Operationen bei 23 älteren PatientInnen. Hier fanden sich 2 sehr interessierte Ärzte, die mit großer Begeisterung bei den Eingriffen assistierten.

Der fachliche Teil des Projektes war somit äußerst erfolgreich.

Zur „politischen„ Seite des Projektes:
Anfang 2006 erwartete unser lokaler Koordinator, dass die Regierung von Mali unser Projekt voll übernehmen wird, inklusive etwa 80% der Kosten. Diese optimistische Einschätzung konnte leider nicht erfüllt werden. Es wurde bei zahlreichen Kontakten mit Ministern und hohen Regierungsbeamten das Projekt vorgestellt und es erfolgte die Eingliederung der Klumpfußbehandlung in das Gesundheits- und Sozialsystem. Dazu wurde am CNAOM die „Cellule Pied Bot“ gegründet. Dies war ein Zusammenschluss von Politikern und Spezialisten, dem auch unsere NGO angehörte. Bei regelmäßigen Treffen erfolgte die Planung über das weitere Vorgehen beim Projekt.
Geplant war eine Ausweitung der Erfassung von Kindern mit angeborenen Klumpfüssen in den Regionen Bamako und Koulikoro. Diese beiden Regionen umfassen insgesamt zirka 3 Millionen Menschen, und es war anzunehmen, dass jährlich ungefähr 200 neue Klumpfußpatienten in diesem Gebiet Malis auf die Welt kommen würden.
Im Jahr 2008 wurde ein Budgetentwurf für die Klumpfußbehandlung ausgesandt. Leider kam es nie zu einer Realisierung dieser staatlichen finanziellen Beteiligung. Weiters ergaben sich einige gravierende Schwierigkeiten: Der Direktor von CNAOM erkrankte und starb. Nach einem längeren Interregnum wurde eine neue Direktorin bestimmt. Im Laufe des Jahres 2009 kamen wir zu der Überzeugung, dass eine nachhaltige Einführung der Klumpfuß- behandlung in Mali über den Rahmen der Pilotphase hinazs, unter diesen Bedingungen nicht möglich war. Wir beschlossen daher mit dem Ende der Förderung durch die ADA das Pilotprojekt mit Ende Juni 2009 zu beenden.
Eine weitere Supervision der Behandlungen im CNAOM ist durch unsere Organisation zugesagt. Derzeit finden Sensibilisierung in den Regionen Bamako und Koulikoro und weiter Ausbildung lokaler Fachkräfte mit Hilfe von DfD Mitarbeitern statt. Obwohl deutlich langsamer als geplant und erwartet scheint der nächste Schritt, die Ausweitung auf die angrenzenden Regionen nun in greifbarer Nähe-

Zusammenfassend kann das Klumpfussprojekt als erfolgreiches Pilotprojekt mit sehr gutem Know-How-Transfer bezeichnet werden . Der Aufbau einer nachhaltigen Versorgung der Klumpfusspatienten im Sinne der „Paris Declaration of Aid Effectiveness 2005“ war bis jetzt nicht möglich.

Wir hoffen, dass eine Fortsetzung des erfolgreich begonnenen Projektes möglich sein wird.