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Bericht des Arbeitseinsatz in Bamako/Mali vom 14.-19.02. 2010


Dr. Christof Radler


Diese Projektreise wurde von der Cellule Pied Bot des CNAOM gewünscht und geplant. Ich erhielt im Dezember ein Einladungsschreiben von CNAOM und der Direktorin Mad. Bocum, um eine Formation und eine Supervision durchzuführen.

Nach Beendigung des Pilotprojektes mit Juni 2009, hat die Cellule Pied Bot (CPB) das Projekt selbständig weitergeführt, mit der Hilfe von Gaoussou Traoré und Mamadou Koné.

Bei diesem Aufenthalt sollten Stagiers fortgebildet werden, um in anderen Regionen Bamakos und in den Regionen Koulikoro und Kathi weitere Behandlungszentren zu führen.

Aufgrund der hohen Flugpreise und des nicht vorhersehbaren Arbeitsaufwandes beschloss ich alleine zu reisen. Im Vorfeld gab es eine Besprechung mit Mamadou Koné in Wien, um eine grobe Linie zu schaffen. Mamadou Koné unterrichtete mich, dass 16 Teilnehmer geplant seien, und ich bemerkte, dass bei dieser Anzahl eine detaillierte und vor allem praktische Einführung in die Ponseti Methode nicht möglich sei und regte an die Zahl der Teilnehmer deutlich zu verringern.

Als weiteren wichtigen Punkt sah ich die Supervision und das weiterführende Training der Formateure und Stagiers, die seit November 2008 in CNAOM in der Cellule Poied Bot tätig sind. Ich betonte daher, dass es wichtig sein an den restlichen Tagen so viele Kinder wie möglich gemeinsam zu begutachten und zu behandeln.

Der Kurs und die Supervision wurden schließlich für die Woche 14.-19. Februar geplant:

Am ersten Tag erfolgt eine Besprechung mit der Direktorin und Gaoussou Traoré:

Ich erfahre, dass derzeit das gesamte Projekt Pied bot über das Budget von CNAOM läuft. Das RBC Budget ist, wie bereits so oft zuvor, in Aussicht, wäre aber laut Gaoussou Traoré nur ein Bonus und nicht essential für die Cellule Pied Bot.

Handicap International unterstützt die Steenbeek Schienen. Es finden Treffen zwischen der CPB und HI und Botschafter von Südafrika zwecks Unterstützung statt. Südafrika soll den neuen OP-Trakt des CNAOM oder das Projekt Pied Bot unterstützen. Auch eine Ausbildung von malischen Fachkräften in Südafrika wird überlegt.

Zum Kurs kommen je zwei Personen aus den 6 Communes Santé von Bamako und aus der Commune Kathi und Koulikoro. Sieben der Stagiers sind Ärzte (Allgemeinmediziner, Kinderärzte). Die anderen sind primär Sage Femme (Geburtshelfer), nur ein Teilnehmer ist Physiotherapeut.

Der Plan von Gaoussou Traoré sieht vor, dass nach dieser Einführung alle nach CNAOM rotieren um praktische Erfahrung mit der Klumpfußbehandlung zu sammeln.

Beim nächsten Besuch von DfD (Ende Juni ist Wunschtermin) sollen alle geprüft werden, und entschieden werden, wer selbständig gipsen darf.

Die Rotation nach CNAOM soll primär deshalb stattfinden, weil es in den Zentren keinen Gips gibt, und CNAOM nicht den Gips für alle stellen kann. Längerfristig soll die Regierung dies finanziell stützen in dem der Gips um den halben Peis abgegeben wird. Die Patienten werden zusätzlich die halben Materialkosten in den Communes Sante für die Behandlung zahlen müssen.
Eine Sensibilisierung hat in allen teilnehmenden Communes stattgefunden. Einstweilen werden die Patienten nach CNAOM verwiesen.

Am ersten Tag wird das Projekt vorgestellt und das Thema Klumpfuß und die Ponseti Methode in Theorie vermittelt. Die Formateure berichten über ihre Erfahrungen mit der Klumpfußbehandlung.

Am zweiten Tag wird ein Teil der Theorie zusammengefasst wiederholt, und es erfolgt die Demonstration des Gipsens bei zwei Kindern.

Jeder Teilnehmer gipst einen Gummifuß.

Nachdem jeder gegipst hat werden zwei weitere Kinder von den Formateuren gegipst.

Insgesamt sind die Teilnehmer sehr interessiert. Ich sehe jedoch folgende Probleme: Die Ärzte werden eventuell wenig gipsen, weil sie keine Zeit haben werden, und gerade der Kinderarzt vielleicht wichtigeres zu tun hat. Die Sage femme können bei der Sensibilisierung und der Identifikation helfen; inwiefern sie sich aktiv an der Behandlung beteiligen werden ist abzuwarten.

Bei 2 Millionen Einwohner von Bamako und einer Geburten Rate von 50/1000 ergibt dies 100.000 Geburten im Jahr. Entsprechend etwa 140 Klumpfußpatienten. Dafür sind 6 Zentren in den Hospital communes plus CNAOM deutlich zu viel. Ich schlage vor zusätzlich zu CNAOM nur 2 Zentren in Bamako und je eines in Kathi und Koulikoro zu schaffen.

Diese 2 Zentren sollten geographisch gut ausgewählt werden. Eine Besprechung mit Gaoussou und Sidibe diesbezüglich ist notwendig. Auch eine gewisse Drop-out Rate bei den Teilnehmern kann damit verkraftete werden.

Am 3. Tag werden Kinder behandelt und nachkontrolliert.

Es sind 14 Kinder zum Gipsen und etwa 10-15 Kinder zur Kontrolle gekommen. Ich sehe auch ein Kind mit Genua vara (M. Blounth) eine 46a Frau mit Poliomelitis und ein Kind mit progressiver Muskelschwäche. Das Gipsen wird durchaus sehr gut gemacht, wobei besonders Dr. Kiré hervorsticht.

Insgesamt sehe ich viele ganz gut korrigierte Kinder. Einige zeigen aber Rezidive, und ich erfahre, dass es bei manchen nach Tenotomie keine Schiene gegeben hat, oder diese nicht benutzt wurde. Aber die meisten dieser Kinder können trotzdem gut gehen.

Das malische Fernsehen berichtet über den Kurs und die Besprechung wird gefilmt.

Danach erfolgt ein ungezwungenes Treffen mit der gesamten CPB zur Nachbesprechung und Kursfeedback:

Dabei wird vorgeschlagen ein monatliches Treffen der Cellule Pied Bot strikt einzuhalten. machen. Weiters soll ein Verein für Klumpfußmütter gegründet werden.

Ich betone, dass das Projekt Pied Bot der Cellule Pied Bot gehört und von der CPB geleitet wird (dies sind die Direktorin, die Chefin der Cellule PB und die Formateure selbst).

Sie müssen entscheiden ob und wann sie einen Kurs oder eine Supervision brauchen oder machen möchten. Wenn es geht wird DfD stets gerne nach Mali kommen und helfen.

Am vorletzten Tag Erfolgt ein Besuch im zukünftigen Behandlungszentrum Koulikoro. Es hat hier bereits eine Sensibilisierung stattgefunden und diesmal wird das Projekt noch einmal kurz vorgestellt. Dr. Kiré und ich gipsen dann 2 Kinder, um das Projekt zu demonstrieren. Es wird über die weiteren Schritte gesprochen, und ich betone, dass zwei bis drei, darunter ein Arzt wegen der Tenotomie intensiv in CNAOM ausgebildet werden sollen, und dass die Auswahl dieser Personen extrem heikel und bedeutend ist. Interesse, Talent und zeitliche Möglichkeit um die Behandlung durchzuführen sind die Voraussetzungen.

Am letzten Tag wird noch eine Begutachtung schwieriger Fälle durchgeführt. Hier werden etwa 10 Kinder begutachtet und behandelt.

Eine Abschlussbesprechung findet statt:

Es werden noch wichtige Punkte der Behandlung diskutiert und wiederhol und strukturelle Fragen geklärt. Besonders die Dokumentation der Nachuntersuchung wird besprochen.

Eine Besprechung wird auch noch mit den Schuhmachern die die Schienen herstellen abgehalten.

Die Stagiers (Moussa Balla Diarra, Assiata Anieré, Karim Keita) die seit November 2008 in CNAOM ausgebildet werden, werden zu Assistant Formateur ernannt.

Eine Besprechung mit HI, zeigt die Bereitschaft weiter die Schienen zu unterstützten. Die Perspektive von HI für 2010 beinhaltet eine Sensibilisierung zur Früherkennung und Frühbehandlung von Behinderungen (inkl. Pied Bot). Ich betone es ist wichtig die bestehende Struktur (Cellule PB) zu unterstützen und Zweigleisigkeit zu verhindern.

Zum Schluss erfolgt noch eine Besprechung mit Mad. Directrice, Mad. Sidibe und Mamadou Koné:

Die 3 Assistant Formateurs werden in Zukunft in CNAOM angestellt.

Ein Treffen pro Monat der Cellule Pied Bot wird per Beschluss verpflichtend.

Ich betone, dass vor weiterer Formation die Struktur in den neuen Zentren geschaffen werden soll. Dann sollen die Stagiers von CNAOM (die Assistant Formateur) in die Zentren zum wöchentlichen Klumpfußtag fahren und mit den lokalen Kräften die Kinder behandeln (3-6 Mo). Einmal im Monat soll Kiré die Zentren supervidieren. Einmal im Monat soll Mad. Sidibe in die Zentren fahren um mit der lokalen Administration die Struktur zu besprechen und aufzubauen.

Wir verabschieden uns und beenden eine erfolgreiche Projektwoche.

Christof Radler