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Medizinische Supervision der Klumpfußbehandlung mit der Ponseti Methode in Bamako
Leiter der Supervision: Dr. Christof Radler



Das Problem des Klumpfußes ist in Entwicklungsländern ein deutlich komplexeres als in der westlichen Welt. Bei einer Geburtenrate von 50 Geburten auf Tausend Einwohner wie zum Beispiel für Mali berichtet (vgl. Österreich 8,7/1000), ergibt dies mindestens 800 neue Fälle jährlich. Dadurch wird der angeborene Klumpfuß zu einem erheblichen sozialökonomischen und gesundheitspolitischen Problem .

Die meisten Neugeborenen erhalten keine Behandlung und selbst wenn eine Krankenstation oder ein Krankenhaus in der Hauptstadt auf gesucht wird so ist die Behandlung inadäquat.

Der unbehandelte Klumpfuß verursacht bei den Betroffenen schwere physische, soziale, psychische aber auch finanzielle Spätfolgen. Selbst eine spätere teure operative Behandlung mit erheblicher Komplikationsgefahr führt oft bei Mangel an gut ausgebildeten Chirurgen zu einem stark vernarbten, unbeweglichen und schmerzhaften Fuß der im Idealfall auf der Sohle belastet werden kann.

Anfang 2006 erfolgte eine Fact-Finding Mission von Doctors for Disabled nach Westafrika bei der sich das Problem des Klumpfußes als vordringlich darstellte.

Es wurde beschlossen ein Klumpfußprojekt ins Leben zu rufen, welches sich hauptsächlich darauf konzentriert die Klumpfußbehandlung in der Methode nach Ponseti in Mali zu etablieren.

Die Ponseti Methode ist hervorragend für die Klumpfußbehandlung in einem Entwicklungsland geeignet. Die Gipsbehandlung kann unter Supervision auch von nicht-ärztlichem medizinischem Personal durchgeführt werden. Es ist keine aufwendige Technik oder apparative Diagnostik notwendig und ein kleiner meist notweniger Eingriff an der Achillessehne kann in Lokalanästhesie sicher durchgeführt werden. Die notwendigen Schienen für die Nachbehandlung können kostengünstig mit vorhandenen Ressourcen vor Ort hergestellt werden.

Prof. Salzer, Dr. Christof Radler und Prof. Dr. Matthias Kux begannen im April 2006 mit den Vorbereitungen für den Aufbau eines Ponseti - Klumpfußprojektes für Mali , Westafrika.

Ziel des Projektes war es, durch Schulung des lokalen medizinischen Personals und durch Training von Trainees die wiederum ihr Wissen weitergeben ein nationales Projekt zur Behandlung des Klumpfußes aufzubauen.

Im Laufe des Projektes fanden bisher insgesamt 15 Einsätze von österreichischen aber auch deutschen Spezialisten in Bamako statt.

Im CNAOM (nationales Zentrum für Physiotherapie und Orthopädietechnik) wurden interessierte Mitarbeiter des Institutes - Krankenpfleger und Schwestern, Orthopädietechniker und Ärzte - intensiv eingeschult. Vier dieser Mitarbeiter wurden nach einem Jahr zu Trainern ernannt. Diese Personen zeigten ein großes Engagement und eine Bereitschaft, sich für die Patienten voll einzusetzen.

Insgesamt sind in der Pilotphase knapp 300 Kinder behandelt worden. Wobei die (sehr lückenhafte) Nachuntersuchung gute Resultate der Behandlung ergaben. Die ursprünglich geplante Einführung einer operativen Behandlung von älteren Patienten mit Klumpfuß musste vorerst bis auf weiteres gestoppt werden. Die lokalen Gegebenheiten, Organisationsstrukturen und finanziellen Möglichkeiten erlaubten keine sinnvolle und nachhaltige Einführung eines solchen Projektschenkels.

Im Juni 2009 beendete DfD die Pilotphase des Projektes und die finanzielle Unterstützung des Zentrums CNAOM um Übernahme des Projektes und der Finanzierung durch die Projektpartner selbst (CNAOM) und die Regierung Malis zu forcieren und um so eine Nachhaltigkeit zu erreichen.

Seit dem Ende der Pilotphase (Ende Juni 2009) ist das Klumpfußteam in Bamako kontinuierlich gewachsen und auch die Struktur des Projekts entwickelt sich beständig weiter. CNAOM verwalten das Projekt heute selbständig. Zu diesem Zweck wurde schon während der Pilotphase eine eigene Abteilung („ Cellule Pied Bot “) gegründet, die heute auch über entsprechende Mittelzuteilung im Rahmen des Gesamtbudgets des CNAOM verfügt. Die damals gegründete Cellule Pied Bot, eine Sub-Division des RBC (Rehabilitation Base Commune) Programms der Regierung.

Die Klumpfußbehandlung in CNAOM hat sich somit von einem extern begonnen und hauptsächlich von Doctors for Disabled finanzierten Projekt zu einem Teil der Gesundheitsversorgung des Landes entwickelt.

Ziel der jetzigen Bemühungen von Doctors for Disabled ist es nun, die „Cellule Pied Bot“ auch weiterhin in der Entwicklung der notwendigen Expertise zu unterstützen, die Qualität der Behandlung durch kontinuierliche fachliche Supervision zu gewährleisten.

Weiters soll die Ausweitung der Klumpfußbehandlung auf andere Bezirke in Bamako (Hauptstadt von Mali) und auf andere Regionen Malis durch weitere Schulungen gefördert werden.

Zu diesem Zweck finden etwa zwei bis dreimal jährlich Missionen statt, im Rahmen derer das medizinische Personal vor Ort von österreichischen Ärzten supervidiert und weiter ausgebildet wird und gleichzeitig die Ausweitung des Klumpfußprojekts durch Kontakte mit Politikern und Persönlichkeiten aus der Gesundheitsverwaltung, sowie durch Sensibilisierungsaktivitäten vorangetrieben wird.

Das Gesundheitszentrum Soundiata im Bezirk III von Bamako hat bereits begonnen hat, an einem Tag der Woche Kinder mit Klumpfuß zu behandeln. Das Gesundheitszentrum sollte derzeit noch mit Behandlungsmaterialien und kontinuierliche Fortbildungen unterstützt werden. Die für die Klumpfußbehandlung notwendigen Materialien sind vorerst weder im Budget des Gesundheitszentrums noch im Budget des CNAOM vorgesehen.

Um in Bamako, in Kati und Koulikoro weitere lokale Behandlungszentrum realisieren zu können, muss die weitere Finanzierung sichergestellt werden.

Hierzu ist geplant wieder eine finanzielle Unterstützung von DfD durchzuführen.

Die Notwendigkeit und die Rahmenbedingungen einer solchen Förderung werden bei der nächsten Mission im März überprüft und mit der Cellule Pied Bot analysiert.

Eine Finanzierung ist einerseits für die Geräte (Gipssäge, Gipsschere,..) als auch für die laufenden Materialkosten (Gips, Watte, Skalpelle, Medikamente…) in den neuen Behandlungszentren notwendig. Zusätzlich macht die Ausweitung des Projektes weitere intensive Schulungen und Supervision durch DfD erforderlich, was mit einem Anstieg an Reisekosten für Mitglieder von DfD verbunden ist.

Eine Finanzierung der neuen Behandlungszentren würde, wie auch in der vorigen Projektphase nur für einen absehbaren Zeitrahmen erfolgen. Danach muss eine Übernahme der Kosten durch die Regierung angestrebt werden.