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Beiträge

Bosnien-Herzegowina

 

"Schwerstbehinderte in Bosnien-Herzegowina (BIH)

 Schrittweise Integration nach Europa

karte bosnien

Schwerstbehinderte in BiH sind derzeit noch immer Menschen am Rande der Gesellschaft. Die Verbesserung ihrer Situation ist eine  humanitäre und politische Verpflichtung! 

Seit über 10 Jahren arbeitet unsere NGO "DOCTORS FOR DISABLED (DfD)" daran und braucht dringend Unterstützung.

Die Arbeitsfelder:

 1. Erfassung des Behinderungsgrades nach europäischen (Österreichischen) Normen: 

Derzeit erfolgt die Graduierung der Behinderten in BiH nach der Arbeitsfähigkeit: 100 Prozent Arbeitsunfähige fallen indie höchste Behinderungsstufe. In Österreich werden solche Menschen je nach dem Pflegebedarf weiter differenziert. Hier bestehen sieben Pflegestufen, wobei die "Arbeitsunfähigen" der BiH in die österreichischen Gruppen 5, 6 bzw. 7 unterteilt werden würden. Die finanzielle staatliche Unterstützung der  Gruppe der "Arbeitsunfähigen" beträgt in BiH ungefähr  150 €. In Österreich erhalten Menschen der Pflegestufe fünf 920 €, der Stufe sechs 1280 € und der Stufe sieben 1680 €. Vor einer Anpassung der finanziellen Unterstützung in BiH muss die Anzahl der Schwerstbehinderten der Pflegestufen 5, 6 und 7 überhaupt erst erfasst werden. Die politischen Schwierigkeiten dazu sind riesig! Wir arbeiten daran seit vielen Jahren und kommen nur ganz langsam weiter. Für diese Grundvoraussetzung der Behindertenintegration benötigen wir österreichische und internationale Unterstützung.

 2. Anstellung Persönlicher AssistentInnen (PA's) für Schwerstbehinderte:

Schwerstbehinderte in Österreich können als Unterstützungfür die berufliche und soziale Integration PA's anstellen. Die Ausgaben werden vom Staat/Sozialversicherung übernommen. Diese Hilfe gibt es in BiH nicht.
DfD übernimmt in BiH dzt für 19 PA's die Kosten. Damit wird modellhaft die Bedeutung dieses Services aufgezeigt. Mit einer Ausbildung von PA's wurde vor kurzem mit großem Erfolg begonnen.

 3. Zur Weiterführung und erfolgreichen Beendigung dieses Projektes benötigen wir administrative und finanzielle Unterstützung: 

Gemeinsam mit österreichischen und bosnischen kompetenten Personen und Einrichtungen wird Informations- und Überzeugungsarbeit bei staatlichen bosnischen Stellen durchgeführt.
Zur Intensivierung unserer Arbeit benötigen wir großzügige finanzielle Hilfe zur Ausbildung und Anstellung möglichst vieler Persönlicher AssistentInnen und zur Durchführung der Erfassung Schwerstbehinderter in Gemeinden und /oderKantonen. 

4. Dauer des Projektes: 

Je nach vorhandenen Resourcen und Kooperation der offiziellen bosnischen Institutionen ZWEI bis DREI JAHRE.

Martin Salzer, Projektleitung Österreich
August 2017

 


 

Projektberichte 2019

  PROJEKTARBEIT 2019

 

Mirza ist ein 14-jähriger Junge mit schwerer Cerebralparalyse, sein Körper funktioniert motorisch nicht, aber deshalb umso besser sein Gehirn. Mirza ist ein sehr intelligenter junger Mann, mit einem verblüfendem Sinn für Humor. Was er werden möchte, wenn er groß ist:
„Nichts interessiert mich mehr als IT. Ich möchte Progammierer werden. Das lernt dich logisch zu denken und Probleme zu lösen. Für jede Herausforderung gibt es eine logische Lösung und es liegt an mir, diese Lösung zu finden. Ich möchte wie Mark Zuckerberg, Steve Jobs oder Bill Gates werden. Daher versuche ich in der Schule so gut wie möglich zu sein. Ohne Unatersützung durch meine persönliche Assisitentin wären meine Ausbildung und meine Träume nicht möglich.“

Weitere Beispiele ....


 

Wahlen Oktober 2018 / Hochzeit im Sommer

In das Gremium der dreiköpfigen Präsidentschaft wurden Milorad Dodik als Vertreter der serbischen Bevölkerung, Sefik Dzaferovic für die Bosniaken und Zeljko Komsic für die Kroaten gewählt. Die politische Situation hat sich dadurch nicht verbessert. Junge Menschen verlassen in großer Zahl den Staat.
Unser Projekt läuft mit der Unterstützung persönlicher Assistenz für derzeit 19 KlientInnen dank Ihrer Patenschaften weiter. In enger Zusammenarbeit mit Bosnian Doctors for Disabled, die laufend Ausbildungen und Workshops organisieren.

Ein erfreuliches Beispiel: Amela Velic hat im Sommer geheiratet. "Alles was ich bisher trotz meiner Behinderung erreicht habe, verdanke ich Prof. Martin Salzer und der Unterstützung durch Austrian Doctors for Disabled"

 

 


 

Die verschiedenen Bereiche von Persönlicher Assistenz
Workshops in Sarajewo und Banja Luka 2017

Die Workshops wurden vom 27. Mai bis 11. Juni 2017 abgehalten – verteilt auf drei Wochenenden, von denen zwei in Sarajevo und eines in Banja Luka stattfand.

Das Konzept wurde gemeinsam von Fachleuten und Menschen mit Behinderungen, die selbst die Dienstleistung der Persönlichen Assistenz nutzen, ausgearbeitet und an den einzelnen Tagen theoretisch und praktisch referiert . Organisiert von unserer Klientin und Präsidentin des Vereines Amela Velic.

Die Inhalte umfassten

  •  Themen aus dem medizinischen, psychologischen und rechtlichen Bereich
  •  Persönliche Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen und deren Austausch
  • Wie werden behinderte Menschen gesellschaftlich wahrgenommen
  • Sozialer und rechtlicher Status von Menschen mit Behinderung
  • Die Beziehung  und Kommunikation zwischen KlientInnen und persönlichen AssistentInnen
  • Klare Verhältnissen zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitehmerInnen
  • Ein Curriculum für die Ausbildung von Persönlichen AssistentInnen

Am ersten Tage wurde eine Pressekonferenz abgehalten, um die Öffentlichkeit über die Bedeutung von Persönlicher Assistenz und die bevorstehenden Aktivitäten zu informieren.

Obwohl nur wenige Journalisten kamen, gab es überraschend viele Veröffentlichungen in den Medien. Alle Ausschnitte, die bei der Pressekonferenz gedreht wurden, finden sie hier:

http://www.viphd.ba/2017/05/27/ilidza-pres-konferencija-udruzenja-bosnian-doctors-for-disabled-edukacija-u-okviru-projekta-personalna-asistencija-za-osobe-s-teskim-invaliditetom-u-bih/

Alle Teilnehmer betonten, dass sie sehr davon profitiert haben und weitere Workshops wären erwünscht und notwendig.  Im September 2017 findet daher ein weiterer Workshop für die von uns unterstützten KlientInnen statt.  Sowie weitere Vernetzungstreffen und die Weiterarbeit an der Plattform „Independent living“.

 

   

Prof. Dr. Muftic spricht über medizinische
Aspekte bei  Persönlicher Assistenz.

 

 

Die TeilnehmerInnen konnten auszuprobieren, wie es sich anfühlt, einen Rollstuhl zu fahren. 

 

     
 Bei der Übung der Psychologin Morgijana Karic Nezirovic konnten sich die TeilnehmerInnen die Augen verbinden  
lassen. Wie ist es, wenn man einer anderen Person überlassen ist und ihr „blind“ vertrauen muss.
  Anes Mehic bringt die TeilnehmerInnen dazu, eine halbe Stunde bewegungslos  zu sitzen, um ansatzweise nachfühlen zu können, wie es einem Menschen mit Schwerstbehinderung täglich ergeht.


Ein gelungener Beitrag zur lokalen Vernetzung und Bewusstseinsbildung.  Aber noch keine nachhaltige Verbesserung  der Sozialgesetzgebung In BiH für alle Betroffenen:

Grundlage dafür wäre die Einstufung und Erhebung der Schwerstbehinderten. Ohne eine detaillierte Datenbank kann die Dienstleistung der Persönlichen Assistenz nicht in die Rechtsordnung von Bosnien und Herzegowina eingeführt werden. :

Das Hauptproblem, warum eine detaillierte Datenbank bislang nicht existiert, ist das fehlerhafte medizinische Einstufungsmodell und die diskriminierende Einteilung zwischen Kriegsveteranen, zivilen Kriegsopfern und Menschen mit Behinderungen, deren Behinderung keine Kriegsfolge ist.

Austrian und Bosnian Doctors for Disabled arbeiten schon sehr lange daran, das  medizinische Einstufungsmodell durch ein soziales Einstufungsmodell zu ersetzen.  Der Weg bis dahin ist aber immer noch steinig und schwer.

Bei einem Treffen im Mai dieses Jahres mit Prof. Salzer wurde wieder einmal ein diesbezügliches Abkommen mit dem Sozialministerium vorbereitet. Wir hoffen, dass die verbale Bereitschaft auch praktisch umgesetzt werden kann.

 

 


 

Ein phänomenaler Sprung in die Behinderung bedeutet nicht den Verlust des Selbstvertrauens

Amela hat Ende 2016 der Organisation MyRight für die Kampagne „StolzAufUnsSelbst“ ein Interview gegeben, das sie in eine kleine Geschichte verpackt hat.

 Sie will und kann damit Menschen in ähnlicher Situation Mut machen.

MyRight: Wenn das Menschenrecht auf Würde nur in einem Menschen dieser Welt eingebettet wäre, würde es in ihrem Körper und in ihrem
Rollstuhl fahren. Wenn der Kampf eine Stimme bekäme, würde er ihre Worte sprechen und sich gegen die aufgedrängten Gesellschaftsnormen mit einem Lachen wenden und gelegentlich die Augen verdrehen. Sie ist Amela Velic und ihre Geschichte als ein Mensch mit Behinderung beginnt mit diesen mutigen, etwas unbedachten und heiteren siebzehn Jahren.

Amela: "Es war ein schöner und sonniger Sommertag im weit entfernten Jahr 2000, als ich damals meinen, bis dahin besten, aber leider bis auf Weiteres letzten, Kopfsprung sprang. Ein Kopfsprung ins Schwimmbecken , das mit wenig Wasser befüllt war. Das Ergebnis: Tetraplegie.... 

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Im Mai und Juni 2017 werden mehrere Trainings für Persönliche AssistentInnen in Sarajewo und Banja Luka stattfinden. Dazu sind ReferentInnen aus den Bereichen Medizin, Psycholigei, Sozialarbeit, Assistenzpraxis eingeladen.  Ein zusätzlicher Workshop findet für die von uns unterstützten KlientInnen statt: Wie gehe ich mit meinem/r persönlichen Assistenten/in um etc.

Als Öffentlichkeitsarbeit wird mit anderen Vereinen in Boshnien-Herzegowina eine Internetplattform  für "CIL" (Center for independent living") erstellt.

 

Unser Ziel ist es weiterhin, die Situation von schwerstbehinderten Menschen in BIH nachhaltig zu verbessern, d. h. die Entwicklung und Erprobung eines einheitlichen, internationalen Standards entsprechenden Graduierungsschemas  für körperlich schwerstbehinderte Personen, um damit letztendlich eine Verbesserung der staatlichen Sozialleistungen zu erreichen, die diesen Menschen ein selbstbestimmtes, qualitätsvolles Leben mit voller Teilnahme an der Gesellschaft ermöglicht.  

  • die Erarbeitung eines Graduierungsschemas nach internationalen Kriterien zur Erfassung der Menschen mit dem höchsten Behinderungsgrad (gemäß dem österreichischen Modells zur Beurteilung des Behinderungsgrades sind das die Stufe 6 und Stufe 7)
  • Erhebung und Graduierung der Schwerstbehinderten modellhaft in dem „Sozialsprengel“ Novo Sarajewo 
  • Ableitung von ersten Empfehlungen für Politik und öffentliche Verwaltung für die Graduierung sowie für die weitere Vorgangsweise.

Mit tatkräftiger Unterstützung durch Prof. Martin Salzer liegen all diese genannten Agenden schwerpunktmäßig bei unserem Partnerverein „Bosnian Doctors for Disabled“ unter der Präsidentschaft von Amela Velic, eine unserer ersten KlientInnen . Mit ihr sind 3 weitere Menschen mit Behinderungen im Vorstand, sowie ÄrztInnen und SozialarbeiterInnen.

 


 

Die Ausgangssituation

Der grausame Krieg 1992-1995 mit den “ethnischen Säuberungen” zwischen Serben, Kroaten und den als Bosniaken bezeichneten bosnischen Moslems wurde durch das Dayton-Abkommen vom Dezember 1995 beendet.

18 Jahre nach Kriegsende beträgt die Wirtschaftsleistung erst 70% des Vorkriegsniveaus. Während sich die wirtschaftliche Situation im Land langsam bessert, leben fast 50% der Bevölkerung unter oder nur knapp über der Armutsgrenze und 40% der erwerbstätigen Menschen sind arbeitslos. 

Menschen, die von Geburt an, durch Kriegseinwirkung oder durch Unfälle schwer körperbehindert sind, erhalten keine ausreichende staatliche Unterstützung. Sie leben am Rande der Gesellschaft, ohne Zukunftschancen, und sind auf fremde Hilfe, meistens durch die Familie, angewiesen. 

Die komplizierte Administration in einem mit nur geringen Kompetenzen ausgestatteten Gesamtstaat, mit zwei praktisch selbständigen Teilstaaten (Entitäten) - der Föderation BiH (FBiH) und der sogennanten Republika Srpska (RS) - mit 10 Kantonen und 140 Gemeinden verschlingt nahezu zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes.

Die Folge dieses massiven Finanzaufkommens zur Erhaltung der teuren staatlichen Strukturen ist ein allgemeiner akuter Geldmangel ohne ausreichende Mittel für soziale Dienstleistungen.

In Österreich und den meisten Staaten der „Ersten Welt“ erhalten Behinderte je nach dem Schweregrad der Behinderung abgestufte und meist ausreichende Unterstützung. Nicht so in Bosnien-Herzegowina: hier wird nur ein minimales „Behindertengeld“ ausbezahlt, an alle Menschen, die als 90, bzw 100% arbeitsunfähig  eingestuft sind. 

 

 

 

 


 

Unser Projekt

Überlebensgeld

2005, am Beginn dieses Projektes  waren die Verhältnisse in BiH bezüglich der Sozialleistungen noch wesentlich chaotischer als heute. So erhielt z.B. ein Schwerstbehinderter im Kanton Mostar überhaupt keine Zuwendung und im Kanton Sarajewo ungefähr 80 €.

Um die Öffentlichkeit und die Politiker auf diese unmenschlichen Verhältnisse hinzuweisen, wurden von Austrian Doctors for Disabled 100 schwerbehinderte Menschen in extremer Armut aus dem gesamten Staatsgebiet ausgewählt. Unsere Recherche vor Ort hat ergaben, dass ein Betrag von Euro 120,-- pro Monat das Minimum ist, das in dieser Region zum Überleben erforderlich ist. Je nach Höhe der staatlichen Unterstützungen übernahmen wir den Differenzbetrag

Unsere Aktion führte dazu, dass in der FBiH 2008 ein Gesetz erlassen wurde, das jene Personen, die mehr als 90 % arbeitsunfähig sind mit ungefähr 150 € monatlich unterstützt. 

In der RS, wo Schwerstbehinderte nur 40 € Behindertenhilfe erhielten, wurde von DfD eine neue Modellgruppe von 35 Behinderten gebildet, die wir mit je 100 € pro Monat unterstützten.

Unsere „existentielle Hilfe “ für die ausgewählten Behinderten hat neben dem wichtigen humanitären Aspekt auch eine politische Bedeutung: Durch das wiederholte Aufzeigen „himmelschreiender“ Schicksale konnten wir die Politiker überzeugen, dass soziale Verbesserungen in beiden Entitäten von BiH dringend notwendig sind und dass man damit bei der „Most Vulnerable Group“ der Schwerstbehinderten beginnen muss. Dies wude von den Politikern zunehmend akzeptiert.

 Ein weiterer großer Erfolg unseres Projektes war es, daß in der RS 2012 ein neues Sozialhilfegesetz erlassen wurde, das seither auch in diesem Landesteil höhere Unterstützungen auszahlt.

 

mann mit kindmenschen im rollstuhlmann im rollstuhl

 

 

 


 

Persönliche AssitentInnen

Wir haben aus der FBiH zunächst 16 Schwerstbehinderte ausgewählt und ihnen persönliche AssistentInnen zugeteilt. Diese arbeiten je nach Bedarf 5 - 20 Wochenstunden mit den Klienten. Sie erledigen Amtswege, helfen bei der Pflege und stellen soziale Kontakte her. Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht in der Unterstützung und Förderung der Behinderten bei der Ausbildung und einer eventuellen Berufsvorbereitung. Das Ziel ist die umfassende Inklusion in die Gesellschaft. . 

Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die Präsenz und Arbeit der persönlichen AssistentInnen positiv auf die Psyche der Schwerstbehinderten auswirkt und sich ihre Lebensqualität wesentlich verbessert. Auch die Familienangehörigen, die zum Teil rund um die Uhr für den Behinderten sorgen, profitieren von dieser Hilfe.

 

 assistentin mit dame in rollstuhl


 

Graduierung und Erfassung von Schwerstbehinderten

Die derzeitige Graduierung in der Föderation BiH, basiert auf einer medizinischen Beurteilung des Funktionsverlustes, welche  modernen Maßstäben und der „UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ nicht entspricht.

 In beiden Entitäten werden die Behinderten in die folgenden 3 Gruppen unterteilt:

·         Gruppe  I:  100% Arbeitsunfähigkeit (AU)

·         Gruppe II:  90% AU

·         Gruppe III:  Unter 90% AU

Die höchste staatliche Unterstützung erhalten Menschen der Gruppe I, in uterschiedlicher Höhe in der FBiH bzw der RS. Die Gruppe II erhält weniger und die Gruppe III nichts.

 In den letzten 2 Jahren wurden daher von bosnischen und österreichischen Spezialisten andere Beurteilungen des Behinderungsgrades diskutiert und erprobt:

 ·         Das “Österreichische Pflegestufen-Modell”: Dieses ist ausgerichtet auf Personen, die regelmäßige Pflege brauchen und kommt dann zur Anwendung, wenn ein Mensch mit Behinderung mehr als 50 Stunden Pflege pro Monat benötigt. Die Höhe des Pflegegeldes ist abhängig vom Behinderungsgrad. Es gibt Pflegestufen von 1 (mit dem geringsten Pflegeaufwand) bis 7 (24 Stundenbetreuung).

·         In der Republica Srpska ist der „Barthel-Test“ im Einsatz ist. Dieser ist ein einfaches aber effektives Instrument, um die verbleibenden Fähigkeiten der Menschen mit Behinderungen mit einer Graduierung von o bis zu 20 Punkten zu erfassen.

 ·         Die “International Classification of Functionality, Disability and Health – ICF“ hat einen komplett anderen, komplexeren Ansatz. Diese bio-psycho-soziale Beurteilung wurde von der WHO (World Health Organisation) entwickelt. Diese internationale Klassifizierung berücksichtigt neben der Gesundheit auch soziale Bereiche. Da sowohl die Funktionsfähigkeit als auch die Behinderung eines Individuums immer in einen Kontext auftritt, inkludiert ICF auch Umweltfaktoren. Es werden 4 Schwerestufen definiert.

 Davon ausgehend wird bei diesem Projekt das am besten geeignete Graduierungsschema für Schwerstbehinderte (die im österreichische Pflegestufenmodell den Stufen 6 und 7 entsprechen) in der F-BiH von einer Expertenkommission erarbeitet werden. Die Expertenkommission besteht aus Medizinnern aus F-BiH  und Österreich, VertreterInnen  lokaler Behörden und  Sozialämter sowie behinderten Personen.  

 In umfangreichen Vorarbeiten von Docotors for Disabled wurde der Entwurf für BiH den anderen 3 erwähnten Schematas gegenüber gestellt


 

Sozialpolitisches Engagement

Um eine Nachhaltigkeit, entsprechend der Pariser Erklärung (2005) über die Verbesserung der Hilfsmassnahmen in der Entwicklungszusammenarbeit zu erreichen, muss als ein Schwerpunkt jedes Projektes frühzeitig ein Kontakt zur Regierung des Empfängerstaates aufgebaut werden. Dieser muss deren Interesse am Projektinhalt dokumentieren (Ownership der Pariser Erklärung). Außerdem müssen die Projektträger die Arbeitsschwerpunkte mit der Regierung abstimmen (Alignment entsprechend Pariser Erklärung).

 Diese Grundvoraussetzungen für ein nachhaltiges Projekt sind in Bosnien-Herzegowina sehr schwierig durchzuführen, da es kein gesamtstaatliches Gesundheits- bzw Sozialministerium gibt (es scheint der einzige Staat der Welt zu sein mit einer solchen Struktur!). Die volle Kompetenz der Gesundheits- und Sozialverwaltung liegt in den Händen der Entitätsverwaltung von FBiH bzw RS. 

Wir unternehmen daher ein intensives Lobbying für die Errichtung eines gesamtstaatlichen Gesundheits- und Sozialministeriums. Wir hoffen, dass dieses Ziel in absehbarer Zeit konkretisiert wird.

 Die Politiker beider Entitäten sind  motiviert, unsere Hilfe zu einer Verbesserung der Situation von Schwerstbehinderten anzunehmen.

 

Gründung der Tochterorganisation "Bosnian Doctors for Disabled."

Mitte 2013 wird der Verein „Bosnian Doctors for Disabled“ in Sarajewo gegründet. wobei im Vorstand 3 Personen mit körperlichen Behinderungen arbeiten. Im Vordergrund steht derzeit das Projekt „Persönliche Assistenz“. Ein weiteres Projekt, getragen von der österreichischen Diakonie bietet Hilfe für hochwassergeschädigte behinderte Menschen.

 

 


 

 Zusammenfassung:

Das laufende Projekt in Bosnien-Herzegowina entwickelt sich zunehmend in Richtung NACHHALTIGKEIT. Dies wird auch von allen Gesprächspartnern sehr lobend erwähnt. 

Die praktische Arbeit ist sehr vielfältig und schwierig. 

Die politischen Kontakte sind sehr intensiv und scheinen für die Zukunft erfolgversprechend. 

Unsere Weiterarbeit in Bosnien ist sinnvoll! 

Die Unterstützung unserer Arbeit durch unsere treuen Spender und durch die höchsten politischen Repräsentanten ist eine große Motivation für uns.

 

   
© Doctors for Disabled