Spenden  

Österreichische Gesellschaft 
für medizinische 
Entwicklungszusammenarbeit

Austrian society for medical 
development cooperation


SPENDENKONTO:
Raiffeisen Bank International
IBAN:
AT58 3100 0001 0405 3708
BIC: RZBAATWW 
   

Pilotprojekt Mali

 

>> Pilotprojekt Mali Bericht

 

Lokaler Projektleiter: Gaoussou Traore

Projekt Leiter: Prof. Dr. Martin Salzer 

Ponseti Programm: Dr. Christof Radler 

Chirurgisches Programm: Dr. Klaus Zhuber 

 

Projekt Team: 

Anita Kux; Prof. Dr. Matthias Kux, Dr. Christof Radler, 

Prof. Dr. Martin Salzer, Dr. Karin Waschak, Dr. Klaus Zhuber 

 

 

Einleitung

Das Problem des Klumpfußes ist in Entwicklungsländern ein deutlich komplexeres als in der westlichen Welt. Die Häufigkeit des idiopathischen Klumpfußes wird in Entwicklungsländern und besonders in Afrika höher eingeschätzt und dürfte im Bereich von 2 auf 1000 Geburten liegen. Zusätzlich scheint es einen deutlich höheren Prozentsatz an sekundären Klumpfüßen wie zum Beispiel bei Neuralrohrdefekt oder Arthrogrypose zu geben. 

Bei einer Geburtenrate von 50 Geburten auf Tausend Einwohner wie zum Beispiel für Mali angegeben (vgl. Österreich 8,7/1000), ergibt dies etwa 800 neue Fälle jährlich. Dadurch wird der angeborene Klumpfuß zu einem erheblichen sozialökonomischen und gesundheitspolitischen Problem. Die meisten Neugeborenen erhalten keine Behandlung und selbst wenn eine Krankenstation oder ein Krankenhaus auf gesucht wird so ist die Behandlung inadäquat. 

Der unbehandelte Klumpfuß verursacht bei den Betroffenen schwere physische, soziale, psychische aber auch finanzielle Spätfolgen. Wichtige soziale Aufgaben wie Mithilfe im Ackerbau, das Tragen von Wasser und Feuerholz aber auch der Schulbesuch sind diesen Kindern meist verwehrt. Selbst eine spätere teure operative Behandlung mit erheblicher Komplikationsgefahr führt oft bei Mangel an gut ausgebildeten Chirurgen zu einem stark vernarbten, unbeweglichen und schmerzhaften Fuß 

Die in der „ Ersten Welt“ bestens eingeführte Ponseti Methode, ist auch hervorragend für die Klumpfußbehandlung in einem Entwicklungsland geeignet. Die Gipsbehandlung kann unter Supervision auch von nicht-ärztlichem medizinischem Personal durchgeführt werden. Es ist keine aufwendige Technik notwendig und der kleine Eingriff an der Achillessehne kann in Lokalanästhesie in einem sauberen Raum sicher durchgeführt werden. 

Anfang 2006 erfolgte eine Fact-Finding Mission von Doctors for Disabled nach Westafrika bei der sich das Problem des Klumpfußes als vordringlich darstellte und daher beschlossen wurde das Projekt in Mali zu beginnen.. Ziel des Projektes ist es, durch Schulung des lokalen medizinischen Personals und durch Ausbildung von Trainern, die wiederum ihr Wissen weitergeben, ein nationales Projekt zur Behandlung des Klumpfußes schrittweise zu etablieren.

 

 

1. Projekteinsatz: Oktober 2006

Österreichische Teilnehmer: 

Anita Kux; Matthias Kux; Christof Radler; Martin Salzer

 

In Uganda wurde vor 7 Jahren ein Klumpfussprojekt nach der Ponseti-Methode begonnen, das zu einem nationalen Behandlungsprogramm ausgebaut werden konnte. Aus diesem Grund besuchten 3 österreichischen und 4 malischen Spezialisten Kampala. Es war sehr wichtig die Umsetzung der Ponseti Methode unter afrikanischen Bedingungen und die spezifischen Probleme zu sehen. Wir konnten uns davon überzeugen dass in Folge des Mangels an Ärzten die gesamte Gipsbehandlung von nicht-ärztlichem Personal erfolgreich durchgeführt werden kann. Die wichtige Schienen-Nachbehandlung konnte in Uganda durch die Entwicklung einer sehr kostengünstigen, hochqualitativen Schiene verbessert werden, die aus überall in Afrika erhältlichen Materialien hergestellt werden kann. Diese Schienenerzeugung sollte auch in Mali begonnen werden.

Anschliessend an diesen Besuch begannen wir in Bamako, der Hauptstadt von Mali einen neuntägigen intensiven  Kurs mit 14 Teilnehmern. Wir unterrichteten vier Ärzte und zehn Angehörige anderer medizinischer Berufe wie Orthopädie-Techniker, Physiotherapeuten und Krankenschwestern. Lehrmittel und Lernunterlagen sowie Formulare zur Klassifikation und Dokumentation des Behandlungsverlaufs in französischer Sprache hatten wir bereits im Vorfeld erstellt. 

Täglich wurde mit Vorträgen, mit Gipsen am Gummimodell durch Evaluierung und Dokumentation und schließlich auch Behandlung der Patienten die Ponseti Methode vermittelt. Insgesamt wurden in den 9 Tagen 30 Kinder mit 43 Klumpfüßen mit insgesamt 117 Gipsen behandelt. In vier Fällen konnte am letzten Tag bereits die perkutane Achillessehen Tenotomie durchgeführt werden. Zwei Kinder wurden vor unserer Abreise noch mit Abduktions- Schienen versorgt. 

 Insgesamt war diese erste Phase des Projektes sehr erfolgreich. Dennoch stießen wir, wie erwartet, auf einige Schwierigkeiten: Die Trainees hatten keinerlei Vorerfahrung mit der Klumpfußbehandlung und auch das Gipsen fiel anfangs oft schwer. Teilweise trafen wir auf sehr mangelhafte Organisationsstrukturen wodurch sich auch der Materialnachschub oft problematisch gestaltete. Die Administration der Patienten erfolgte hingegen relativ geordnet durch die lokale Sozialarbeiterin und mit Hilfe der vierten Projektmitarbeiterin, Anita Kux.  

Vorwiegend kamen Kleinkinder bis zum Alter von 3 Jahren zur Behandlung. Nur 4 Kinder waren jünger als 6 Monate. Manche waren vorbehandelt oder sogar voroperiert und präsentierten entsprechend rigide und vernarbte Füße. Auch bei diesen Kindern erfolgte die Redression mit Ponseti Gipsen, wobei hier die Erfolgsrate deutlich niedriger ist und in einigen Fällen eine offene Operation zur Vervollständigung der Korrektur durchgeführt werden muss. 

Durch die Armut der Bevölkerung ist eine geregelte und konsequente Behandlung allzu oft erschwert. So können sich manche Eltern noch nicht einmal die Busfahrkarte zum Krankenhaus leisten. Um diesen ganz armen Familien  die Behandlung zu ermöglichen , wurde ein „Poor Patient Fonds“ eingerichtet.

 

 

2. Projekteinsatz: Januar 2007

Österreichische Teilnehmer: Anita Kux; Matthias Kux; Christof Radler; Martin Salzer 

 

Begonnen hat diese Projektreise mit einer fünftägigen Fact-finding-Mission nach Timbuktu durch Martin Salzer und Gaoussou Traoré, dem lokalen Projektmanager Im regionalen Krankenhaus ist ein sehr interessierter Allgemeinchirurg tätig, sowie ein Orthopädietechniker und ein Physiotherapeut. Bezüglich der Zusammenarbeit bei der Klumpfußbehandlung und der Unterstützung armer Patienten wurde ein Memorandum of Understanding ausgearbeitet und unterzeichnet. 3 Kinder wurden nach Ponseti gegipst und bei einem 12-jährigen Buben erfolgte eine ausgiebige Weichteiloperation beidseits. 

 Am 13.01.07 trafen Christof Radler, Matthias und Anita Kux in Bamako ein und am nächsten Tag kam Martin Salzer an, und die Arbeit begann. 

 Die Trainees der „Oktobergruppe“ hatten alle ihre Patienten zur Kontrolle bestellt. Die gemeinsame Untersuchung zeigte folgende Ergebnisse: Bei 5 Kindern wurde eine volle Korrektur der Klumpfuss-Position erreicht. Bei 10 Kindern läuft die Gipsbehandlung weiter. Bei 14 Kindern musste aber nach einer Tenotomie wieder gegipst werden: entweder war der Eingriff zu früh gemacht worden oder der anschliessende Gips war nicht entsprechend. Im Lauf der Woche kamen diese Kinder mehrere Male zur Kontrolle. Bei den meisten konnte durch die nachträglich angelegten Gipse eine ausreichende Korrektur erreicht und die Schienenbehandlung fortgesetzt bzw. eingeleitet werden. Am letzten Tag wurden 5 Tenotomien vorgenommen. Ein junger Arzt wurde in der Durchführung der Tenotomie geschult. 

Zehn neue Kinder kamen im Lauf der Woche zur Erstbehandlung nach der Ponseti Methode. Zwei Kinder wurden für eine Operation in März vorgesehen. 

Von den 14 Trainees der Oktobergruppe wurden 7 besonders intensiv weitergeschult (diejenigen, die die meisten Kinder behandelt hatten). Es wurde noch einmal auf die Exaktheit des Gipsens und auf die genaue Dokumentation des Pirani -Score geachtet. 

 Parallel zu dieser Arbeit fand die Ausbildung von 17 neuen Trainees statt, die aus allen Regionen Malis gekommen waren. Nach einigen Tagen theoretischen Unterrichts konnten die neuen Trainees an der laufenden Arbeit teilnehmen. 

Mit dem nahe gelegenen regionalen Krankenhaus wurde vereinbart, dass dort die operativen Eingriffe in Zukunft vorgenommen werden. Im Behandlungs- und Rehabilitationszentrum CNAOM soll ein Raum eingerichtet werden, in dem die operierten Kinder stationär untergebracht werden.

Eine weitere organisatorische Massnahme bestand in der Eröffnung eines Bankkontos, mit dem besonders die Finanzierung des Verbrauchsmaterials durchgeführt werden soll. Weiters wurd.e der „poor patient  fond“ aufgestockt.

 

 

3. Projekteinsatz: März 2007

Österreichische Teilnehmer: Anita Kux; Matthias Kux, MD; Christof Radler, MD; Martin Salzer, MD; Karin Waschak, MD, Klaus Zhuber, MD

 

Dieser Einsatz hatte, neben der weiteren Ausbildung der Trainees und Behandlung der Kinder, zwei neue Schwerpunkte: Die Einrichtung einer operativen Möglichkeit ,die ersten OP und eine Arbeit auf der strukturellen Ebene. 

Dr. Martin Salzer, Dr. Klaus Zhuber und Anita Kux kamen am 20.03.07 in Bamako an. 

Zuerst wurden alle Kinder untersucht bei denen eine operative Korrektur notwendig erschien. Im Lauf der Woche fanden 4 Operationen im Distrikthospital V statt, welches sich direkt neben dem Behandlungszentrum CNAOM befindet.

Weiters fand ein erstes Treffen mit HANDICAP INTERNATIONAL statt, wobei die Unterstützung der armen Klienten in Aussicht gestellt wurde Die Kosten für die Nachbehandlungsschienen werden zusammen mit der lokalen Organisation FOCAREM (Fond commun pour l’Appareillage t la Rééducation au Mali) übernommen. 

Der Direktor des CNAOM versprach seine volle Unterstützung für das Projekt, für das Einrichten der Räumlichkeiten für die Nachbehandlung und für die neue notwendige Strukturierung des Zentrums. 

Ein Organigramm wurde erstellt, welches die verschiedenen Bereiche und Aufgaben der einzelnen lokalen Projektteilnehmer und Mitarbeiter definiert. Dieses Organigramm wurde in der Gruppe sowie in Einzelgesprächen diskutiert und entsprechend den lokalen Gegebenheiten und den persönlichen Möglichkeiten modifiziert. 

KONATE Ismaila, President der FEMAPH. Monsieur KONATE versprach das Klumpfußprojekt in die Programme von FEMAPH, RBC ( programme nationale de rééducation à base communautaire), und CESCOM aufzunehmen. Für das Jahr 2007 wurde 4,5 Mill CFA (6000 Euros) zugesagt. Die „programmes opérationnels“ betreffen die Ausbildung, Ausrüstung, Schulung, Prävention und Behandlung der Behinderten. Der Klumpfuß sollte ein Programmpunkt der Comité de Pilotage Nationale werden. Im Rahmen des Comité de Pilotage soll eine Unterkommission für den Klumpfuß gegründet werden.

 

Parallel wurden die Trainees weiter unterrichtet und Kinder behandelt. Dr. Karin Waschak Assistenzärztin am Orthopädischen Spital Speising und erfahren in der Ponseti Methode, konnte mit Hilfe eines Stipendiums der Österreichische Gesellschaft für Orthopädie an dieser Projektreise teilnehmen. Sie führte den Großteil der Supervision und Lehrtätigkeit währen der folgenden Tage durch. Im Lauf der Woche wurden 66 Kinder angeschaut, 3 Tenotomien und 4 Operationen durchgeführt. 

Schließlich konnten die ersten 5 Trainees zu Trainer gemacht werden und bekamen ein entsprechendes Zeugnis überreicht. Diese begannen am folgenden Tag mit dem Unterricht der nächste Gruppe.

 

 

Zusammenfassung des bisherigen Projektverlaufes

Nach einer Fact- finding- Mission im Februar 2006 nach Mali bereiteten wir uns intensiv auf das Projekt vor: Wir engagierten einen lokalen Koordinator, der als hoher Beamter des Sozialministeriums beste Kontakte zu den Regierungsstellen besitzt. Weiters wurden Schulungsunterlagen und Instrumente sowie Gipsmaterial gekauft und zum Transport vorbereitet.

Beim ersten Projekteinsatz im Oktober 2006 besuchten 3 österreichische  und 4 malische Experten Kampala in Uganda wo seit  7 Jahren ein Klumpfußprojekt mit bestem Erfolg läuft. Wir konnten dort wertvolle Hinweise für den Aufbau des Projektes in Mali erwerben. Anschließend begannen wir in Bamako, der Hauptstadt von Mali mit Schulungen und der Einführung lokaler Mitarbeiter in die Durchführung der Ponseti-Behandlung.

Bei weiteren 2 Einsätzen im Jänner und März 2007 wurde die Schulung von Trainern für die Ponseti- Methode intensiv fortgesetzt. Dabei konnten die ersten 5 Trainer von uns ein Diplom erhalten. Ein Grossteil der behandelten Kinder wurde kontrolliert und zahlreiche neue Patienten wurden unter Supervision gegipst. Einzelne Operationen erfolgten in Timbuktu, in einem orthopädischen Krankenhaus 30 km außerhalb der Hauptstadt und in einem regionalen Krankenhaus in unmittelbarer Nähe unseres Behandlungszentrums (CNAOM).

Organisatorische Schwierigkeiten konnten durch den engagierten Einsatz der lokalen MitarbeiterInnen weitgehend überwunden werden.

Unterstützungszusagen von staatlichen Stellen sind vorhanden:. Das Klumpfußprojekt soll ein Schwerpunkt in der Gesundheitsversorgung Malis werden. Durch die vor  kurzem stattgefundenen Wahlen ist eine Realisierung dieser Zusage bis jetzt noch nicht eingetreten.

Eine finanzielle Unterstützung unseres Projektes in der Höhe von 6000 € wurde realisiert.

Nach den bisherigen Erfahrungen können die derzeit investierten 44 000 Euro als sinnvoll eingesetzt betrachtet werden.

Das Projekt läuft sehr erfolgversprechend und bei den nächsten Kontakten die im Juli und September vorgesehen sind, werden sowohl die strukturellen und administrativen Probleme, als auch die praktische Weiterarbeit mit der Ponseti- Methode und auch die Operationen des Klumpfusses weiter vorangetrieben.

   
© Doctors for Disabled